Serie: Einblick in die Arbeit von Dignitas
10. August 2026
Folge 5: Im Gespräch mit Karin vom Team für standesamtliche Dokumente und Urnenversand
Was hat dich zu Dignitas gebracht?
Ich habe nach einem längeren Auslandaufenthalt nach einer sinnstiftenden Tätigkeit gesucht. Was das sein könnte, wusste ich erst gar nicht so genau. Ich wusste nur, dass ich wieder möglichst direkt mit Menschen arbeiten und unterstützend tätig sein wollte. Es war und ist mir ausserdem wichtig, dass ich meine Sprachkenntnisse einsetzen kann. Das Stelleninserat von Dignitas ist mir dann genau zum richtigen Zeitpunkt begegnet. Ich hatte bereits vom Verein gehört und erkannte sofort, dass ich hier etwas Wichtiges im Kleinen bewirken kann.
Wie sieht ein Arbeitstag von dir normalerweise aus?
Grundsätzlich prüfen wir für die Mitglieder, die eine Freitodbegleitung (FTB) planen, jene Dokumente, welche für das Ausstellen der Todesurkunde benötigt werden. Aber die Aufgaben und Anforderungen haben sich seit meinem Stellenantritt vor bald 15 Jahren sehr verändert. Als ich bei Dignitas angefangen hatte, gab es unser Team so noch gar nicht. Man könnte fast sagen: Alle haben alles gemacht. Inzwischen hat eine Spezialisierung innerhalb des Vereins stattgefunden, sodass es seit einiger Zeit auch das Team für standesamtliche Dokumente und Urnenversand gibt.
Zu Beginn hatten wir noch nicht so viele Mitglieder, zudem kamen sie nicht aus so vielen verschiedenen Ländern wie heute. Das ist deshalb wichtig, weil es für jedes Land andere Vorschriften darüber gibt, welche Dokumente notwendig sind, oder ob und wie die Urne heimgeführt werden kann. Ausserdem verändern sich diese Anforderungen immer wieder. Deshalb gibt es bei uns länderspezifische Checklisten, die wir im Team regelmässig aktualisieren müssen. Dafür stehen wir in Kontakt mit dem Zivilstandsamt und auch mit ausländischen Konsulaten. Und wir koordinieren den Versand der Urnen mit dem Krematorium und dem hiesigen Bestattungsunternehmen.
Welche Eigenschaften sind für deine Arbeit wichtig?
Ein hoher Anspruch an Genauigkeit, sehr gute Sprachkenntnisse und eine gute Kombinationsgabe sind Grundvoraussetzungen. Man muss ganzheitlich denken, Zusammenhänge verstehen und auch gerne Dingen auf den Grund gehen. Ausserdem ist es wichtig zu wissen, von wem man die Informationen erhalten bzw. wo man sie nachschauen kann. Und die Arbeit muss gut dokumentiert werden.
Was gefällt dir an der Arbeit bei Dignitas im Allgemeinen und in deinem Team im Besonderen?
Die Arbeit hier ist für mich nicht einfach ein Job, sondern eine erfüllende Aufgabe. Es ist schön zu wissen, dass ich unseren Mitgliedern und deren Angehörigen zeigen kann: «Wir unterstützen Sie auf Ihrem Weg.» Wir können die notwendigen Papiere, wie beispielsweise eine Geburtsurkunde, zwar nicht für unsere Mitglieder besorgen, aber wir tragen ihre Entscheidung mit, begleiten sie auf ihrem Weg und ermöglichen die Selbstbestimmung auch am eigenen Lebensende.
Darüber hinaus gefällt mir die Flexibilität, etwa was die Einteilung der Arbeitszeit angeht. Auch, dass wir im Homeoffice arbeiten können, ist ein grosses Plus.
Welche Momente / Situationen sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Es kommt zwar nicht oft vor, aber manchmal möchte ein Mitglied die Dokumente im Voraus persönlich übergeben. Das versuche ich immer möglich zu machen. Kürzlich hat mich die Schwester eines Mitglieds kontaktiert, die uns die Original-Dokumente zukommen lassen wollte. Wir haben uns getroffen und sie konnte mir so einerseits die Dokumente überreichen und sich damit sicher sein, dass alles gut funktioniert. Andererseits hatte sie so einen echten Menschen vor sich und nicht nur eine E-Mail-Adresse.
Welche Momente / Situationen gehen dir besonders nahe?
Mir gehen auch nach den vielen Jahren gerade die Fälle nahe, in denen etwa eine junge Mutter terminal erkrankt und kleine Kinder zurücklassen muss. Gleichzeitig weiss ich aber, dass ich die Betroffenen unterstützen und ihnen wenigstens etwas Erleichterung verschaffen kann. Und ich bin der festen Überzeugung: Jemanden an eine FTB zu begleiten, ist ein Akt der Liebe.
Inwiefern hat dich die Arbeit bei Dignitas verändert?
Das habe ich mich auch schon gefragt und muss sagen: Ich weiss es nicht. Das müssten jene Menschen beantworten, die mich auch privat gut kennen.
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*Karin ist Verantwortliche für standesamtliche Dokumente und Urnenversand. Sie arbeitet seit rund 15 Jahren bei Dignitas. Ihr Team sorgt dafür, dass das Schweizer Zivilstandsamt die korrekten Dokumente nach einem Todesfall ausstellen kann.
Folge 1: Carola vom Erstkontakt
Folge 2: Myriam vom Planerteam
Folge 3: Andrea und Tino vom Begleiterteam
Folge 4: Michael vom Team Aussenbeziehungen