Selbstbestimmungs-Organisationen kritisieren unwissenschaftliche und ideologisch motivierte Forschung
Das Nationale Forschungsprogramm «Lebensende» (NFP 67) ist nicht wissenschaftlich, sondern voreingenommen gegen die in der Schweiz etablierte Patientenautonomie. Darauf weisen die fünf Schweizer Selbstbestimmungsorganisationen in einem gemeinsamen Auftritt hin.
EXIT Deutsche Schweiz, EXIT A.D.M.D. Suisse romande, DIGNITAS - Menschenwürdig leben - Menschenwürdig sterben, EX International sowie Lifecircle kritisieren die Besetzung der Leitung des NFP 67, die im Lebensendbereich nicht unabhängig ist, und warnen vor vorgefassten und einseitigen Studienresultaten. Zudem fordern sie den Bundesrat auf, den 2010 erteilten Auftrag an den Nationalfonds zu aktualisieren, da er inzwischen politisch und rechtlich überholt ist.
Das Nationale Forschungsprogramm NFP 67 soll das Lebensende allgemein untersuchen. Von allen Sterbefällen macht die Suizidhilfe weniger als ein Prozent aus. Trotz ihrer marginalen Rolle – weniger als 1 Prozent der Todesfälle – nimmt die Freitodhilfe im NFP 67 eine überproportionale Rolle ein. Im Ausführungsplan kommt sie in nahezu allen Kapiteln vor. 40 Prozent der Forschungsprojekte beschäftigen sich ganz oder teilweise damit. Das NFP 67 untersucht nicht unvoreingenommen neutral, wie dies in einem säkularen Staat von einem mit 15 Millionen (!) Steuergeldern finanzierten, wissenschaftlichen Forschungsprogramm zu erwarten wäre, sondern behandelt Selbstbestimmung und Sterbehilfe von vornherein als etwas Problematisches und Negatives. Diese Voreingenommenheit könnte die Forschungsergebnisse unzulässig beeinflussen. Das Programm könnte von Selbstbestimmungs-Gegnern missbraucht werden, eine Einschränkung der Suizidhilfe durch die Hintertür der Wissenschaft anzumahnen, obwohl Bundesrat, eidgenössische Räte und der Regierungsrat des Kantons Zürich dies abgelehnt haben.
Die Leitung wird zudem nicht von einem unabhängigen Forscher präsidiert, sondern vom aus Deutschland stammenden Moraltheologen Markus Zimmermann-Acklin, der verschiedene Körperschaften mit Eigeninteressen am Lebensende vertritt und als katholischer Theologe bei nicht wenigen Lebensendthemen (Selbstbestimmung, Suizidhilfe, Leidensverkürzung) nicht neutral respektive voreingenommen ist.
Hinter dieses Forschungsprogramm sind Fragezeichen zu setzen. Nun sind der Bundesrat und die politische Aufsicht über den Nationalfonds gefordert.
Das NFP 67 muss die Suizidhilfe in der Schweiz erforschen, ohne sich auf die Daten der einzigen Organisationen abstützen zu können, die sie seit 30 Jahren tatsächlich leisten. Ob die Resultate damit überhaupt relevant sein werden, ist fraglich.
Folgende Unterlagen wurden der Presse abgegeben (PDF):
Kostenpauschalen für Sterbende in Deutschland Sendung «Report München» vom 12. Februar 2013
Sterbende sind oft auf die Hilfe von Palliativmedizinern angewiesen. Doch selbst dafür gibt es jetzt sogenannte verpflichtende Fallpauschalen. Ärtzte und Patienten sind erzürnt. Zurecht. Dieser Beitrag zeigt die Verlogenheit der deutschen Politiker, welche mit dem Argument der stets verfügbaren Palliativbehandlung gegen Sterbehilfe kämpfen – während die Realität ganz anders aussieht.
Interview
Um die hohe Suizidrate im Kanton Zürich zu senken, hat die Regierung kürzlich eine Reihe von Massnahmen angekündigt. Diese greifen aber zu kurz.
Rund ein Drittel der Tätigkeit von DIGNITAS betrifft die Vermeidung von Suizidversuchen, von denen der überwiegend grosse Teil, meist mit tragischen Folgen, scheitert >> mehr
Informationsbroschüre
Seit wann gibt es DIGNITAS? Was ist eine Patientenverfügung? Was bedeutet Freitodbegleitung? Antworten finden Sie in unserer