Zitate Archiv

 

 

März 2017

«Gelernt habe ich dabei, dass man Politik und den Glauben
nicht vermischen kann. Man kann nicht aufgrund von persönlichen
Glaubensüberzeugungen in einer säkularen Gesellschaft politisieren.»

Johannes Zollinger
Stadtrat von Wädenswil und ehemaler Kantonsrat für die Evangelische Volkspartei EVP

in: «Die Arbeit im Kantonsrat ist mir keineswegs verleidet», Zürichsee-Zeitung, 7.1.2017


Februar 2017

«Wir sprechen zu wenig über das Sterben. Es ist wichtig, dass Patienten Gedanken und Wünsche ansprechen können. Man muss miteinander schauen, welche Möglichkeiten es gibt, das Sterben in einem für den Patienten positiven Sinn zu gestalten.»

Roland Kunz
Chefarzt Geriatrie und Palliative Care, Spital Affoltern am Albis

in: «Wir sprechen zu wenig über das Sterben» Zürcher Oberländer, 27. Januar 2017


Januar 2017

Der Traum von Freiheit
ist niemals ausgeträumt
solang ein Mensch noch hoffen kann
solang sein Inneres sich aufbäumt
gegen Dummheit und Borniertheit
gegen Ungerechtigkeit
steh auf - net morg'n, net übermorg'n
steh - es ist höchste Zeit

Georg Danzer
7.10.1946 – 21.7.2007
österreichischer Liedermacher


Dezember 2016

«Diese Patienten werfen sich vor den Zug – das ist viel schrecklicher für
alle Beteiligten. Der Paragraf ist eine Katastrophe für die Suizidprävention.»

Prof. Dr. Jochen Taupitz

Ordinarius an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Mannheim

über den am 10. Dezember 2015 in Kraft getretenen § 217
des Deutschen Strafgesetzbuches („Gesetz zur Strafbarkeit
der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung“)

in der «Ärztezeitung», 28. November 2016 (Link)


November 2016

«Als meine Frau noch berufstätig war, hat sie auf der Pflege gearbeitet, und es ist passiert, dass eine alte Frau, die wahrscheinlich eben unter einem gewissen Druck, wie ihr auch erzählt jetzt, ins Pflegeheim musste, sich aus dem zweiten Stock noch mit einem Stuhl über den Balkon lehnen konnte und aussen heruntergefallen ist und auf diese Art Suizid begangen – und meine Frage, die ich an Herrn Gmür stellen möchte, der von der Theologie her kommt: Könnte man da, wenn man dieser Frau ermöglicht hätte, auf eine humanere Art zu sterben, könnte man das nicht quasi mit Nächstenliebe begründen? – das steht auch in der Bibel. Und schickt uns der liebe Gott ins Pflegeheim? Oder schicken uns die Leute ins Pflegheim? Der liebe Gott hätte uns zu Hause vielleicht schon längst sterben lassen. Aber es will uns ja niemand mehr zu Hause sterben lassen. Ich würde gerne daheim sterben, wenn es soweit ist.»

Felix Merki
Landwirt

in der Sendung «ARENA», 1. Juli 2016, auf SRF 1


Oktober 2016

«Am Anfang hatte ich eine unklare Einstellung zur Sterbehilfe. Aber im Angesicht
des Leidens von Tanner ist mir klargeworden, dass ich den Weg, den er
gewählt hat, unterstütze. Ich begreife die Herzlosigkeit von Menschen nicht,
die so einen Wunsch verweigern wollen. Und Tanner ist ja kein Einzelfall.»

Wolfgang Prosinger
1948 - 2016
Autor, Kulturkorrespondent, Redaktor des Tagesspiegels Berlin

über sein Buch «Tanner geht»
in einem Interview mit «Der Spiegel», 22. Setpember 2008


September 2016

«Die meisten Menschen sagen, dass sie sich kein Ende wünschen, bei dem sie an Maschinen angeschlossen sterben. Eine Umfrage unter Ärzten hat ergeben, dass 90 Prozent für sich selbst eine aggressive Therapie am Lebensende ablehnen. Und dennoch verordnen sie es ihren Patienten massenweise. Nicht einmal 25 Prozent der Chefärzte finden einer anderen Umfrage zufolge den Willen der Patienten überhaupt maßgeblich . . . Die Pharmaindustrie hat den geschickten Schachzug gemacht, dass sie uns Ärzte quasi am Umsatz beteiligt. Wenn man bestimmte teure Medikamente verschreibt, ist der Patient oft Teilnehmer einer Studie der Firma. Der Arzt muss dazu nur regelmäßig ein paar Bögen ausfüllen, das macht seine Arzthelferin, das dauert zehn Minuten. Er bekommt dafür im Schnitt pro Patient 670 Euro. Im Schnitt wohlgemerkt, es gibt Therapien, da werden 7000 Euro bezahlt. Wenn Sie als Arzt zehn solche Patienten haben, bekommen Sie eine kleine Wohnung dafür. . . . Chefärzte werden finanziell an Eingriffen beteiligt, an Herzoperationen, an Dialysen. Etwa 40 Prozent von ihnen geben sogar zu, hier und da mal zu operieren, wo es gar nicht nötig ist.»

Dr. med. Matthias Thöns

Facharzt für Anästhesiologie, Notfall-, Schmerz- und Palliativmedizin

in: «Sie verdienen am Sterben» Spiegel; 27. August 2016, Ausgabe Nr. 35,
Seite 34 (Link zur Kurzfassung des Artikels auf SpiegelOnline)

Das Buch «Patient ohne Verfügung - Das Geschäft mit dem Lebensende»
ist jetzt im Buchhandel erhältlich (
Link
)


August 2016

«Wir müssen unsere Patienten davor schützen, dass über sie bestimmt wird,
nicht davor, dass sie sich selbst entscheiden.»

Prof. Dr. med. Samia Hurst

in: «Schweizerische Ärztezeitung», 2016; 97(28-29):1028 (Link/PDF)


Juli 2016

«Der Umgang mit dem Thema selbstbestimmtes Sterben empört mich immer mehr seit der schändlichen, behördlichen Gleichsetzung von Sterben und Bordellbetrieb! Professor Kressig: Es ist nun wirklich an der Zeit, dass ihr Doktoren und Professoren den Patienten nicht nur zuhört, sondern auch ihre Entscheidungen respektieren lernt. Wer einmal eine Angehörige erlebt hat, die qualvoll und stinkend über Tage in den Tod geröchelt ist, die liebend gerne «besser» gestorben wäre, verdrängt diese Möglichkeit des «Notausganges Freitod», die wir zum Glück in der Schweiz alle haben, nicht mehr. Ich bin jetzt 28. Wenn ich dereinst mit einer Demenzdiagnose konfrontiert werde, hoffe ich, dass ein aufgeschlossener Leiter Sie längst ersetzt hat. Bis dahin gnade Gott all denen, die auf die Beurteilung «Ihrer» Memory Clinic angewiesen sind. Ich bitte Sie sehr, Ihren lukrativen Chefsessel für einen Ihrer Mitarbeiter wie zum Beispiel Professor Monsch freizumachen, der mich ernst zu nehmen bereit ist und meinen freien Willen zulässt und respektiert!»

Raphael Siegrist

in der «Basler Zeitung», 9. Juni 2016


Juni 2016

«Wer aber in seiner Demut erkennt, wo das alles hinausläuft, wer da sieht, wie artig jeder Bürger, dem es wohl ist, sein Gärtchen zum Paradiese zuzustutzen weiss, und wie unverdrossen dann auch der Unglückliche unter der Bürde seinen Weg fortkeucht, und alle gleich interessiert sind, das Licht dieser Sonne noch eine Minute länger zu sehn; – ja der ist still, und bildet auch seine Welt aus sich selbst, und ist auch glücklich, weil er ein Mensch ist. Und dann, so eingeschränkt er ist, hält er doch immer im Herzen das süsse Gefühl der Freiheit, und dass er diesen Kerker verlassen kann, wann er will.»

Johann Wolfgang von Goethe

in: Die Leiden des jungen Werther


Mai 2016

«Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht,
anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.»

Eric Arthur Blair
bekannt als George Orwell
25.6.1903 – 21.1.1950
Schriftsteller


April 2016

«In der heutigen Zeit, in der man immer älter wird, ist das glaub ich schon ein reales Problem, das sicher vielen Leuten nicht leicht fällt, wenn sie in eine Hilflosigkeit rutschen. Vor allem Leute, die das ganze Leben selbständig gewesen sind, die selber bestimmt haben. Und plötzlich kommt eine Schwester mit einer weissem Schoss und sagt wir waschen uns nun Herr Müller – grauenhafte Vorstellung.»

Charles Lewinsky
Schriftsteller

In der Sendung «Die Kunst des Alterns» (Link), im Beitrag über
sein Buch «Andersen», eine Geschichte voller Parallelen zwischen
Baby und Greis – beide sind abhängig vom Wohlwollen anderer.


März 2016

«Ist die Selbsttötung im Alter oder wegen Krankheit die ehrlichere Form
des Sterbens? Sie haben einmal gesagt, dass wir im Jahr 2200 auf unseren
Umgang mit Suizid so zurückblicken werden wie heute auf das Mittelalter.»

«Das glaube ich fest! Als ich vor gut zehn Jahren darüber publizierte, kriegte
ich gehässige Briefe. Die Leute sind der Selbsttötung gegenüber polemisch. In
hundert Jahren wird man sagen: Donnerwetter, was waren das für komische Leute?
Sich selbst töten ist ein Menschenrecht, wenn es nicht mehr auszuhalten ist.
Das kann einem kein Staat, keine Familie, keine Religion absagen!»

Martin Walser
Schriftsteller

In einem Interview mit Cinzia Venafro, im «Blick»
sein aktuelles Buch: «Ein sterbender Mann» (Link)


Februar 2016

«Das Ziel der Medizin des 21. Jahrhunderts ist, den Tod zu bekämpfen.
Bei vielen Krankheiten ist es gelungen, den Tod zu verschieben. Aber am
Ende wird jeder sterben müssen. Die Medizin beschäftigt sich zu wenig mit
Menschen, bei denen kein anderer Ausgang möglich ist als ein baldiger Tod.»

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Thierry Carrel
Klinikdirektor Inselspital Bern, Herz- und Gefässchirurg
In einem Interview mit dem «Blick»
sein Buch: «Von Herzen» (
Link
)


Januar 2016

«Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter
Menschen die Welt verändern kann – tatsächlich ist dies die
einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde.»

Margaret Mead
(16.12.1901 – 15.11.1978)
US-amerikanische Ethnologin


Dezember 2015

Nächtlich, über dem Gebeinfeld,
Hört man manchmal
Einen Esel I-A schrei‘n.
Wenn dem Esel nichts mehr einfällt,
Schreit er: „Ein Gesetz muss sein!“

nach Bertold Brecht; Kommentar von DIGNITAS zur erneuten Forderung
des Leitenden Oberstaatsanwalts a. D. Dr. Andreas Brunner,
in der Schweiz ein Sterbehilfegesetz zu erlassen


November 2015

«Der Status quo ist am Ende besser als eine Kriminalisierung auch von Ärzten.»

Dr. Carola Reimann
Mitglied des Bundestages

in: «Liberale Sterbehilfe-Befürworter tun sich zusammen», Berliner Zeitung (Link)


Oktober 2015

«Sehr geehrte Abgeordnete! Sie sind für vieles kompetent, zuständig und
sachverständig. Sie sind die Vertreter des ganzen Volkes. Ich verstehe das.

Aber Sie haben, bei aller Theorie zu Artikel 38 Grundgesetz, kein Mandat, über die Existenz des Menschen und über den Inhalt der Menschenwürde zu entscheiden. Lassen Sie die Bürger in Ruhe, was den Tod betrifft, und kümmern Sie sich um Ihren eigenen. Sie machen sich lächerlich, wenn Sie das Gegenteil versuchen. Da mögen Sie in Ihren Entwürfen und "Todesgutachten" kramen, so lang und aufgeregt und wichtig auch immer Sie wollen – das Leben selbst und der Tod lassen Sie immer extrem klein zurück.

Politiker! Es gibt keinen Grund zur Eile! Lassen Sie – wenn Sie sich schon nicht trauen, der Freiheit des Einzelnen (und damit Ihrer eigenen) den Platz einzuräumen, der ihr gemäß Artikel 1 Absatz 1 Grundgesetz zukommt – die Dinge so, wie sie sind.

Alles, was Sie (angeblich) regeln sollen, ist schlechter als der bestehende Zustand. Die Bürgerinnen und Bürger wollen nicht für ihre Angst mit Strafe bedroht werden. Sie wollen Ihre Hilfe, Ihr Verständnis und Ihren Respekt. Sagen Sie viermal: Nein.»

Prof. Dr. Thomas Fischer
Vorsitzender Richter des zweiten Strafsenats am deutschen Bundesgerichtshof

in: «Absurdes Spektakel um den Tod», Zeit Online (Link)


September 2015

«Suizidbeihilfe muss wie bisher straffrei bleiben. Die Bundestagsabgeordneten
sollten den Willen der Bevölkerungsmehrheit endlich ernst zu nehmen
beginnen, anstatt das Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende
durch dilettantische Gesetze zu untergraben»

Erwin Kress
Vizepräsident HVD Humanistischer Verband Deutschland

in: Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende nicht verbieten, sondern stärken (Link)


August 2015

«Ja, meine Herren, unser Alpenland soll der Hochaltar der Freiheit in Europa sein»

Alfred Escher
(20.2.1819 - 6.12.1882)
Präsident des Schweizerischen Nationalrates

anlässlich seiner Eröffnungsrede vor dem Nationalrat am 5. April 1850


Juli 2015

«Tatsächlich vermag eine professionelle Freitodhilfe sogar dazu beizutragen,
Rechtsgüter besser zu schützen. Denn an die Stelle von unfachlichen Suiziden
mit schweren Gesundheitsschäden für den Betroffenen oder Brutalsuiziden
mit Gefahren für Dritte eröffnet eine professionelle Freitodhilfe den Weg
zu einer schmerzfreien und sicheren Selbsttötung in Selbstbestimmung.»

Prof. Dr. Frank Saliger

Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht
und Rechtsphilosophie an der Eberhard Karls Universität in Tübingen

in: LTO Legal Tribune Online (Link)


Juni 2015

«Wir setzten uns intensiv mit dem Thema Freitodbegleitung auseinander
und sind zum Schluss gekommen, diese mit Exit, einer anerkannten,
verantwortungsvoll und sorgsam handelnden Organisation zu ermöglichen.»

Thomas Wernli
Direktor des «Pflegimuri»

in: Aargauer Zeitung, 1.6.2015 (Link)


Mai 2015

«Es kommt immer wieder vor, dass Spitäler oder Alters- und Pflegeheime den Patienten oder Bewohnern aufgrund ihrer ablehnenden Haltung zum Thema den Beizug von Sterbehilfeorganisationen verwehren oder faktisch verunmöglichen. Dies ist insbesondere deshalb stossend, weil Patienten oder Bewohner oft keine oder nur eine beschränkte Wahl haben, in welchem Spital oder Alters- und Pflegeheim sie untergebracht werden. Der Zugang zur Sterbehilfe unterliegt somit gewissermassen dem Zufall, was in einer derart grundlegenden Frage unhaltbar ist. Es ist hier Aufgabe des Staates, dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen und der Menschenwürde als fundamentale Grundrechte zum Durchbruch zu verhelfen und für alle Institutionen, welche von der öffentlichen Hand finanziell unterstützt werden und somit in seinem Einflussbereich liegen, eine gleichermassen verbindliche Regelung zu treffen.»

Luca Urgese

Mitglied des Grossrats von Basel-Stadt und Initiant der Motion 
betreffend Zugang von Sterbehilfeorganisationen zu öffentlich
unterstützten Spitälern und Alters- und Pflegeheimen


April 2015

«Der „suizidwillige Ausländer“ wird „vom Flughafen, eben unserem Standortvorteil,
direkt zu einem geeigneten Arzt gekarrt“ „Sterbetouristen aus Deutschland pflegten beispielsweise am frühen Morgen mit dem Flugzeug anzureisen, dann rasen sie in einem Karacho zu einem Arzt aus irgendeiner Zürichseegemeinde“ „Er stellt dann gleich das Rezept für das tödliche Gift aus und danach geht es weiter im Tempo des Gehetzten in die Sterbewohnung“ „...einer Institution…, die sogar Leute in einem Wald mit irgendeinem Gas ins Jenseits befördert“ „Der Sterbewillige wird sozusagen fliessbandmässig dem Tod zugeführt“»

Silvia Steiner

Staatsanwältin des Kantons Zürich, Mitglied des Zürcher Kantonsparlaments
und Kandidatin für einen Sitz in der Regierung des Kantons Zürich

Hinweis:
Das ist leider kein Aprilscherz, sondern Frau Steiner – von der Christlichen Volkspartei CVP – hat so abschätzige Äusserungen über Menschen, die über ihr Leidens- und Lebensende selbst bestimmen wollen, tatsächlich von sich gegeben; zu lesen in den Protokollen des Zürcher Kantonsrates vom 29.10.2007, 8.7.2013 und 27.10.2014.


März 2015

«Sie wissen ja, ich bin ein Anhänger des begleiteten Suizids. Ich finde das eine würdige Form, sein Leben zu beenden. Eben nicht zu warten, bis der Schlaganfall kommt. Ich sehe doch, wie mein heiß geliebter und sehr bewunderter Freund Joachim Kaiser in einer seltsamen Düsternis versinkt, in die kein Mensch mehr eindringen kann. Das lehne ich ab. Das finde ich unwürdig. Das will ich nicht. Ich will nicht warten auf die 38. Operation. Sieben bei Rühmkorf waren genug. Sechs davon waren schon zu viel. Ich will leben. Ich will nicht überleben. Man soll aufhören, wenn es noch geht.»

Fritz J. Raddatz
1931 - 2015
Deutscher literarischer Unruhestifter

in einem Interview, befragt von Arno Widmann, veröffentlicht in der
Frankfurter Rundschau vom 30. Januar 2015


Februar 2015

«Wer sich wegduckt, akzeptiert am Ende die Herrschaft und Gewalt von
anderen auch über sich selbst. Wer sich nicht traut, für seine Freiheit einzutreten,
wird zum Schwarzfahrer unserer freiheitlichen Demokratie»

Richard von Weizsäcker
15.4.1920 – 31.1.2015

in seiner Abschiedsrede vor der Bundesversammlung in Berlin (Link)


Januar 2015

«Im neuen Jahre
Glück und Heil,
Auf Weh und Wunden
gute Salbe!
Auf groben Klotz
ein grober Keil!
Auf einen Schelmen
anderthalbe!»

Johann Wolfgang von Goethe


Dezember 2014

«Alle wissen, dass sie gehen müssen. Keiner geht gerne.
Ich kann den Tod annehmen – und zwar besser als mein Umfeld.
Lange hielt ich es ja für unmöglich, im Wissen bald zu sterben
das Leben zu geniessen. Heute weiss ich: Das geht schon.»

This Jenny
Schweizer Politiker und Unternehmer
1952 – 2014

in: «Der Tod ist nichts als ewiger Schlaf», Interview, Sonntagsblick, 20.4.2014


November 2014

«Ich möchte eine Welt sehen, in der alle
Zugang zu einem Tod in Würde haben»

Brittany Lauren Maynard
1984 – 2014

Im Frühling 2014 erfuhr die 29jähige US-Amerikanerin Brittany Maynard, dass sie
an einem tödlichen Hirntumor litt. Brittany führte darauf eine Kampagne für den
Zugang zu einem Tod in Würde, was für sie bedeutete, dass wenn ihr Leiden zu
gross würde, sie alle ihre Liebsten zu sich rufen, ihnen sagen würde, dass sie sie
liebte und dann Adieu sagen könnte. Sie konnte ihr selbstbestimmtes Leidens-
und Lebensende am 1. November 2014 so wahrnehmen.

Webseite des Brittany Maynard Fund (Link)


Oktober 2014

«Eine Mehrheit will einen Notausgang, wenn das Leben zur schweren Bürde wird.
Sie verlangt Selbstverantwortung im Leben und im Sterben. Sterbehilfe ist
nicht mehr Nothilfe nach einem Gewissenskonflikt, sondern ein Angebot.
Auf Ratschläge der Kirchen kann das Volk verzichten. Ihr Einwand, institutionalisierte
Sterbehilfe sei gefährlich, da Menschen Ebenbilder Gottes seien, hat keine Chance.»

Felix Reich
Redaktor
in: «reformiert.info» Nr. 10, Oktober 2014 (Link)


September 2014

«Die Freiheit des anderen ist Grenze und Bedingung der Freiheit des einzelnen.
Freiheit verlangt Freisein von entwürdigenden Abhängigkeiten, von Not
und Furcht, aber auch die Chance, individuelle Fähigkeiten zu entfalten und
in Gesellschaft und Politik verantwortlich mitzuwirken. Nur wer sich sozial
ausreichend gesichert weiss, kann seine Chance zur Freiheit nutzen.»

aus dem Grundsatzprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Link)


August 2014

«Aufklärung ist Ärgernis, wer die Welt erhellt,
macht ihren Dreck deutlicher.»

Karlheinz Deschner
23.5.1924 - 8.4.2014
deutscher Schriftsteller und Religions- und Kirchenkritiker
www.deschner.info (Link)


Juli 2014

«Ein würdevoller Tod bedeutet für die meisten Menschen, am Lebensende
keine unnötigen und obendrein oft belastenden Therapien über sich
ergehen lassen zu müssen. Die Wirklichkeit sieht aber häufig anders aus.»

Nicola von Lutterotti
Artikel in der «NZZ», 25. Juni 2014 (Link)


Juni 2014

«Zu Beginn haben viele sogenannte Experten vor einer starken Zunahme
der Suizide gewarnt. Das Gegenteil war der Fall: Die Zahl der Freitode
pendelte immer zwischen null und drei pro Jahr. Das zeigt auch, dass die
Zürcher Heime gut geführt werden. Die Zahlen wären anders, wenn die
Autonomie der Menschen in den Heimen nicht respektiert würde.»

Albert Wettstein

*1946, Privatdozent für geriatrische Neurologie der Universität Zürich und
ehemaliger Chefarzt Stadtärztlicher Dienst Zürich, über seine Erfahrung mit der
Legalisierung des begleiteten Freitods in den Zürcher Heimen vor 10 Jahren

Interview in «Der Bund», 28. Mai 2014 (Link)


April 2014

«Ich will nicht, dass man von Selbstmord spricht. Es war eine Selbst-
erlösung und das gönne ich ihr,so tief der Schmerz auch sitzt.»

Chiara (Name geändert)

über den Suizid ihrer Mutter, die nach 18 Jahren Kampf
gegen ihre Depressionen ihrem Leiden ein Ende setzte

Bericht in zentral+, 24.2.2014 (Link)


März 2014

«Pharmakonzerne brauchen psychische Krankheiten als Mittel, um Pillen zu verkaufen, und sie erfinden Krankheiten. In den USA werden 80 Prozent der Medikamente von Hausärzten verschrieben. Der Grund dafür liegt darin, dass Ärzte von den Versicherungen nur bezahlt werden, wenn sie dem Patienten eine Diagnose abgeben. Also geben sie eine Diagnose ab und verschreiben Medikamente. Man vergisst dabei, dass man erstens eine psychiatrische Diagnose speziell bei Kindern nicht in sieben Minuten abgeben kann und es zweitens sehr schwierig sein kann, eine psychiatrische Diagnose wieder loszuwerden.»

Allen Frances *1942

Amerikanischer Ökonom, Psychiater und Psychoanalytiker

in: «Wir haben die Unreife von Kindern in Krankheit verwandelt»,
Samstagsinterview, «Der Bund» 4.Januar 2014  (Link)

Anmerkung: Im Jahr 2013 hat Novartis 19 % und Roche 26 % Umsatzrendite erreicht


Februar 2014

«Aber viele Schwerstkranke wollen nicht nur der Schmerzen wegen selbstbestimmt
über ihren Tod entscheiden. Sie wollen lieber in Würde sterben, als jahrelang als
Pflegefälle dahinvegetieren, dement, gefüttert und gewindelt, völlig abhängig von
Pflegekräften, die ihrerseits bis an die Grenzen des Erträglichen gefordert sind.»

Barbara Coudenhove-Kalergi

* 1932, österreichische Journalistin und Herausgeberin
in einer Kolumne in der österreichischen Zeitung «Der Standard»


Januar 2014

«Wird's besser? Wird's schlimmer? fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.»

Erich Kästner
23.2.1899 – 29.7.1974


Dezember 2013

«Schenken heisst, einem anderen etwas geben,
was man am liebsten selber behalten möchte.»

Selma Lagerlöf
20.11.1858 – 16.3.1940
schwedische Schriftstellerin, Nobelpreis für Literatur 1909


November 2013

«Es kommt nicht so sehr darauf an, dass die Demokratie nach
ihrer ursprünglichen Idee funktioniert, sondern, dass sie von der
Bevölkerung als funktionierend empfunden wird.»

Rudolf Karl Augstein
4.11.1923 – 7.11.2002
Journalist, Verleger und Publizist, Gründer von «Der Spiegel»


Oktober 2013

«Nun kommt eine Generation ins Alter, die ihr ganzes Leben
selbstbestimmt geführt hat. Und diese Menschen wollen am Lebensende
nicht um Erlaubnis bitten, wann und wie sie sterben dürfen»

Bernhard Sutter
Vizepräsident exit (Deutsche Schweiz)


September 2013

«Kein Problem wird gelöst,
wenn wir träge darauf warten,
dass Gott sich darum kümmert.»

Martin Luther King
1929 - 1968
Amerikanischer Bürgerrechtler


August 2013

«Dort, wo sie erlaubt ist, wie in der Schweiz, spielt die Suizidhilfe in weniger als 0,5 Prozent der Todesfälle eine Rolle. Die medizinische Übertherapie am Lebensende (bei gleichzeitiger pflegerischer Unterversorgung!) betrifft hingegen mindestens die Hälfte der Sterbenden, ein Unterschied um den Faktor 100. Die Übertherapie am Lebensende verschlingt nicht nur enorm viel Geld; sie verhindert leider oft, dass Menschen ihre letzte Lebensphase im Einklang mit ihren Wünschen und Prioritäten und am Ort ihrer Wahl verbringen.»

Gian Domenico Borasio
Professor für Palliativmedizin an der Universität Lausanne

aus: «Der Preis des Lebens - Das Gesetz zur Sterbehilfe ist voläufig gescheitert.
Das ist auch gut so. Die wahren Probleme liegen woanders»,
in: «Süddeutsche Zeitung» Nr. 130, 8./9. Juni 2013 (Link)


Juli 2013

«Die grassierende „Ethisierung des Alltagslebens“, die uns unter anderem den Beruf des Kommissions-Ethikers sowie akademische Weiterbildungen in Form von modulierten „Advance Studies“ in „Angewandter Ethik“ beschert hat (gibt es eigentlich auch eine „unangewandte Ethik“?), scheint mir mehr Plage als Segen. Sie hat zu einer Bürokratisierung der Moral geführt, die mit ihrem Regulierungs-, Zertifizierungs- und Qualitätssicherung-Furor immerhin einen unerschöpflichen Quell unfreiwilliger Komik abgibt. „Es soll streng wissenschaftlich zugehen; je grösser der Humbug, desto sorgfältiger die Versuchsanordnung“, hat Adorno über den Okkultismus gespottet. Ähnliches könnte man über die Elaborate sagen, die auf dem Mist dieses Instant-Ethik-Booms wachsen: Läppische Erkenntnisse werden in wichtigtuerische Prosa gegossen; moralischer Rigorismus zwanglos mit einer gehörigen Portion Opportunismus gepaart gegenüber allem, was gerade irgendwie en vogue ist und als „brennendes“ Zeitproblem erscheint. Im Falle eines Falles klebt Ethos wirklich alles. Ob Gene oder Klima – der Notfall-Ethiker steht allzeit auf Pikett. Das Selber-Denken und –Erwägen wird ersetzt durch die ethische Expertise. Und man kann sich fragen, ob die viele Moral die Welt tatsächlich besser oder nicht doch vielleicht nur moralischer macht.»

Dr. Peter Schneider
Psychoanalytiker

aus: «Welche Würde hat das Unkraut?», in: «Frühchinesisch»,
232 Seiten, Verlag Zytglogge Bern, 2011
mit freundlicher Genehmigung seitens des Autors und des Zytglogge-Verlags


Juni 2013

«Weder die Kirchen noch die Ärzteschaft, weder sogenannte
Patientenschutzorganisationen noch Hospizverbände haben die
Richtlinienkompetenz, das "richtige" oder "gute" Sterben zu definieren.
Dies hat in unserem säkularen Staatswesen allein der einzelne Mensch.»

Dr. Michael de Ridder
Arzt und Hospizleiter

In: Interview: Wie wollen wir sterben?
GEO WISSEN Nr. 51 - 05/13 Vom guten Umgang mit dem Tod (Link)


Mai 2013

«Es wäre übertrieben zu sagen, ich habe keine Angst vor dem Tod, aber
ich habe keine Angst vor dem Danach, denn ich bin nicht gläubig. Wenn ich
weggehe, so werde ich verschwinden und nichts wird übrig bleiben.»

Christian de Duve
2.10.1917 - 4.5.2013
belgischer Biochemiker und Zellbiologe
Nobelpreis 1974 für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Zellforschung

in einem Interview mit der belgischen Zeitung «Le Soir», ca. ein Monat bevor er im Einklang mit dem belgischen Sterbehilfe-Gesetz sein Leben selbstbestimmt und in Anwesenheit seiner Familie beendete


April 2013

«Der 1. April ist der Tag, an dem wir uns erinnern sollen,
was wir 364 Tage im Jahr sind: nämlich Narren.»

Mark Twain


März 2013

«Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre
zu geben, sondern den Jahren mehr Leben»

Alexis Carrel
(1873 - 1944)
Französischer Chirurg, Anatom und Biologe
erhielt 1912 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie


Februar 2013

«Die persönliche Freiheit ist und bleibt das höchste Gut des Menschen»

Konrad Adenauer
5.1.1876 – 19.4.1967
Deutscher Bundeskanzler 1949 – 1963

aus: «Konrad Adenauer. Seid wach für die kommenden Jahre. Grundsätze -
Erfahrungen - Einsichten», hrsg. von Anneliese Poppinga, Bergisch-Gladbach 1997.


Januar 2013

«Kämpfen, kämpfen.»

Prof. Dr. med. Urs Peter Haemmerli (1926 – 2012)
Chefarzt im Triemli-Spital, Zürich

Nachdem Prof Haemmerli zu Recht die Gesundheitspolitik anprangerte und die Haltung vertrat, bei bewusstlosen, hoffnungslos Erkrankten seien lebensverlängernde Massnahmen einzustellen um die Agonie nicht zu verlängern, wurde er 1975 seines Amtes enthoben und ein Verfahren gegen ihn eingeleitet. Doch die öffentliche Meinung stellte sich hinter ihn und befürwortete die Passive Sterbehilfe. Prof. Haemmerli wurde schliesslich vom Europarat zum Experten für Sterbehilfe berufen, das Verfahren eingestellt, die inkompetente Politikerin – verantwortlich für die Gesundheitspolitik –, welche das Verfahren gegen ihn angestossen hatte, abgewählt und er erhielt sein Amt und seine Würde zurück.

siehe auch: «In memoriam Urs Peter Haemmerli», ein Nachruf von André L. Blum,
in: Schweizerische Ärztezeitung, 2012;93: 43, Seite 1560 - 1561


Dezember 2012

«Wir gehen von der Freiheit zur Selbstbestimmung aus. Diese beinhaltet auch die Freiheit, seinem Leben ein Ende zu setzen. Wir wollen solche Entscheidungen nicht fördern, wir wollen niemanden hierzu anstiften oder verleiten, aber wir achten und respektieren auch diese Entscheidung, wenn sie frei von Einflüssen Dritter und autonom getroffen wird. Deshalb ist weder der Suizid noch die Beihilfe hierzu unter Strafe gestellt.»

Jerzy Montag
Bundestagsabgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
in seiner ungehaltenen Rede zum Entwurf eines deutschen Gesetzes gegen gewerbsmässige Vermittlung von Gelegenheiten zur Selbsttötung, 29. November 2012
Auszug Protokoll 211. Sitzung Deutscher Bundestag (PDF)


November 2012

«Was bedeutet nun jener Grundsatz, dass ein Mensch, welcher des Lebens müde und gehetzt von Schmerz und Elend die natürlichen Schrecken des Todes mannhaft überwindet und sich jenem grausamen Schauspiel entzieht, dass, sage ich, ein solcher Mann durch einen Eingriff in das Geschäft der göttlichen Vorsehung und durch Störung der Weltordnung den Zorn des Schöpfers auf sich geladen haben soll? Sollen wir sagen, dass der Allmächtige die Verfügung über das Leben der Menschen in einer besonderen Weise sich vorbehalten und dieses Ereignis nicht in gleicher Weise, wie alle anderen, den allgemeinen Gesetzen des Weltlaufs unterstellt hat? Das ist offenbar falsch; das Leben der Menschen hängt von denselben Gesetzen ab, wie das Leben aller andern Tiere, und diese sind den allgemeinen Gesetzen der Materie und der Bewegung unterworfen. . . Ich glaube, dass noch niemand ein Leben wegwarf, das zu erhalten der Mühe wert war.»

David Hume
(1711 – 1776)
Schottischer Philosoph, Ökonom und Historiker
in: «On Suicide», Aufsatz, 1757


Oktober 2012

«Ist der freie Wille das höchste Gut?» «Er ist eines der höchsten Güter. Wer, wenn
nicht jeder für sich selber, soll entscheiden, wann genug ist und man sterben darf?
Der Arzt? Der Partner? Der Gesetzgeber? Wohl kaum. Der Mensch ist sich selber
immer noch am nächsten. Im Leben wie im Tod.»

Ueli Oswald
Autor des Buches «Ausgang. Das letzte Jahr mit meinem Vater»
Edition Epoca 2009, ISBN 978-3-905513-47-9
in einem Interview in der Basler Zeitung über seinen Vater, den früheren
Knorr- und Ringier-Medien-Chef Heinrich Oswald, den er beim Freitod begleitete.


September 2012

«Wer im Kampf gegen Alterssuizide die Palliativmedizin ausbauen will, verhält sich
wie jemand, der Grundschülern die Angst vor der Schule nehmen will, indem er
sich vornimmt, die Abiturfeier besonders festlich und harmonisch zu gestalten.»

Matthias Kamann
Politikredakteur der Tageszeitung «Die Welt»
in: Todeskämpfe / Die Politik des Jenseits und der Streit um
Sterbehilfe, transcript Verlag, Bielefeld, 2009, S. 70f.


August 2012

«Wenn es nur eine Stelle gäbe, wo man seinen Austritt aus
dem Verein ehemaliger Menschen anmelden könnte!»

Curt Goetz
(1888-1960)
Schweizer Dramatiker und Schauspieler


Juli 2012

«Was für ein Gesundheitswesen wollen wir eigentlich: eines, das bis ganz
am Schluss den Tod bekämpft, oder eines, das den Menschen mit all seinen
Bedürfnissen ins Zentrum setzt – auch mit seinen Bedürfnissen nach
Geborgenheit, nach Aufmerksamkeit, Zuwendung und nach Liebe?»

Simonetta Sommaruga

Mitglied des Bundesrates der Schweiz und
Vorsteherin des Justiz- und Polizeidepartements

in: Welche Aufgabe, welche Rolle hat der Staat, wenn es um Suizidhilfe geht?
Rede am Kongress der ‘World Federation of Right-to-Die-Societies’ in Zürich
(Link zur vollständigen Rede)


Juni 2012

«Darauf zu bestehen, dass ein Mensch auf eine Art und Weise stirbt,
die nach Meinung anderer richtig ist, für ihn selbst jedoch in einem
gravierenden Widerspruch zu seinem Leben steht,
ist eine Form menschenverachtender Tyrannei.»

Ronald M. Dworkin ( * 1931)
amerikanischer Philosoph

in: Die Grenzen des Lebens. Abtreibung, Euthanasie und persönliche Freiheit,
Rowohlt, Reinbek 1994, Seite 301


Mai 2012

«Nichts Besseres hat uns das ewige Gesetz geschenkt, als dass es uns einen
einzigen Eingang ins Leben gab, doch viele Ausgänge. Soll ich wirklich auf
die Grausamkeit einer Krankheit oder eines Menschen warten, wenn ich die Macht
habe, mitten aus allen Folterqualen ins Freie zu gelangen und alle Widerwärtigkeiten
loszuwerden? . . . Gefällt dir das Leben, so lebe! Gefällt's dir nicht,
so hast du die Freiheit, wieder dort hinzugehen, von wo du kamst.»

Lucius Annaeus Seneca
(ca. 1 - 65)
Römischer Philosoph, Dramatiker und Staatsmann

in: Epistulae morales LXX ad Lucilium (Briefe an Lucilius)


April 2012

«Habe keine Angst, eine exzentrische Meinung zu haben,
weil jede Meinung, die heute akzeptiert wird, einst exzentrisch war.»

Gebot Nr. 7 aus "Zehn Gebote eines Liberalen", New York Times 16.12.1951

Bertrand Russell
(1872 - 1970)
Britischer Philosoph, Logiker, Mathematiker, Historiker und Sozialkritiker
Nobelpreisträger für Literatur 1950


März 2012

«Wir haben es geschafft, dass wir wählen dürfen, wer uns regiert, aber dass
wir wählen dürfen, wie wir sterben wollen, haben wir nicht geschafft.»

Martin Walser  ( * 1927)
Deutscher Schriftsteller

aus: Wem gehören wir eigentlich? Ein Plädoyer.
in: Hans Wehrli, Bernhard Sutter, Peter Kaufmann (Hrsg.), Der organisierte Tod, Sterbehilfe und Selbstbestimmung am Lebensende - Pro und Contra.
Orell Füssli Verlag Zürich, 2012, 270 Seiten, ISBN 978-3-280-05454-3
Erscheint im April 2012


Februar 2012

«In Übereinstimmung mit den Verfassungen der Vereinigten Staaten von Amerika
und des Staates Georgia, darf der Staat öffentliches Anbieten von Suizid-Assistenz
nicht unter Strafe stellen»

Richter Hugh Thompson

Am 6. Februar 2012 entschied der höchste Gerichtshof des US-Bundesstaates Georgia einstimmig, dass das Gesetz bezüglich assistierten Suizids die Bestimmungen über die freie Meinungsäusserung verletze.

Entscheid vom 6. Februar 2012 des Gerichts, auf Englisch (PDF)

Weitere Informationen, auf Englisch (Link zu „Court rulings“)


Januar 2012

«Die bestehende rechtliche Situation bezüglich Sterbehilfe ist unangemessen,
widersprüchlich und sollte nicht weiter so geführt werden.»

The Commission on Assisted Dying

In England erarbeitete die «Commission on Assisted Dying» einen
Bericht zu Handen der Regierung, über die Frage einer
Gesetzesänderung zur Legalisierung der Sterbehilfe

Webseite der Kommission, auf Englisch (Link)

Bericht von DIGNITAS zu Handen der Kommission, auf Englisch (PDF)

Abschliessender Bericht der Kommission, auf Englisch (Link)


Dezember 2011

«Ich bin nicht traurig, dass ich heute sterben werde. Ich bin verärgert,
weil ich zufolge der Feigheit unserer Politiker nicht in dem Land sterben kann,
in welchem ich geboren wurde, in meinem eigenen Heim, doch ich bin nicht traurig.»

Geraldine McClelland
Britische TV-Produzentin
1950 - 2011


November 2011

«Sobald ich meine Zufriedenheit erlangt habe, verfüge ich über die
höchste Würde, die ein Mensch haben kann. Mit dieser werde ich sterben.
Und genau dies will ich dann auch. Daran sollen andere Menschen
mit all ihren Maschinen und Apparaten nichts ändern.»

Gustav Adolf Stoerring

(26. Oktober 1934 - 17. November 2005)

aus: «Und ich gab ihm mein Versprechen»,
von Rainer Stoerring, Edition Fischer GmbH,
Frankfurt am Main, ISBN 978-3-89950-920-5


Oktober 2011

«Ich verwahre mich gegen die gefährliche Meinung,
dass Demokratie etwas sei, was sich nicht verwandeln kann,
und gegen die andere Meinung, man bleibe frei wie die Väter,
indem man nicht über die Väter hinauszugehen wagt.»

Max Frisch
(15. Mai 1911 - 4. April 1991)
Schweizer Schriftsteller

aus: «Stiller», zitiert in: Andreas Gross, Fredi Krebs,
Martin Stohler, Daniel Schönmann «Über den Herbst hinaus»,
Editions le Doubs, St. Ursanne, ISBN 978-2-940455-02-7


September 2011

«Dass unser Strafgesetzbuch die Suizidbeihilfe liberal regelt, ist eine Tatsache.
Es ist nichts Negatives, dass es in der Schweiz einen Weg gibt, selbstbestimmt
und unter würdigen Umständen aus dem Leben zu scheiden.»

Simonetta Sommaruga

Mitglied des Bundesrates der Schweiz und
Vorsteherin des Justiz- und Polizeidepartements

in: reformiert.info, 26.8.2011, www.reformiert.info/artikel_8837.html


August 2011

«Live as if you were to die tomorrow.
Learn as if you were to live forever.»

Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma Gandhi

(2. Oktober 1869 - 30. Januar 1948)

Indischer Rechtsanwalt und Anführer der gewaltfreien
Freiheitsbewegung für die Unabhängigkeit Indiens


Juli 2011

«Über sich selbst, über seinen eigenen Körper und Geist
ist der einzelne souveräner Herrscher.»

John Stuart Mill
(1806 - 1873)
Britischer Philosoph und Ökonom


Juni 2011

«Der liberale Geist des Kantons Zürich setzt sich durch»

EDU des Kantons Zürich in einem Communiqué zum
Ausgang der Zürcher Volksabstimmung vom 15. Mai 2011

mehr: www.edu-zh.ch/news/der-liberale-geist-des-kantons-zurich-setzt-sich-durch

Kampagnenrückblick (PDF)


Mai 2011

«Ich meine, wir haben das Recht, über unser Ableben zu bestimmen,
wann immer es unseren Nächsten gegenüber sich verantworten lässt,
und somit haben wir das Recht, um Sterbehilfe zu ersuchen.»

Max Frisch
(15. Mai 1911 - 4. April 1991)
Schweizer Schriftsteller

zitiert nach Volker Weidermann, Max Frisch: sein Leben und seine Bücher, Seite 383,
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2010, ISBN 978-3-462-04227-6


April 2011

«Unsere Bürgerrechte hängen genauso wenig von unseren religiösen
Ansichten ab wie von unseren Ansichten zur Physik oder Geometrie.»

Thomas Jeffferson (1743 - 1826)
Dritter Präsident der USA


März 2011

«Der Tod verbirgt kein Geheimnis. Er öffnet keine Tür. Er ist
das Ende eines Menschen. Was von ihm überlebt, ist das, was er
anderen Menschen gegeben hat, was in ihrer Erinnerung bleibt.»

Norbert Elias (1897 - 1990)
Soziologe

in: «Über die Einsamkeit der Sterbenden»
Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-58351-4


Februar 2011

«Die allerschlimmste Krankheit ist das Leben; und heilen kann sie nur der Tod.»

Heinrich Heine (1797 - 1856)
Deutscher Dichter


Januar 2011

«Wir sind nicht die Krone der Schöpfung, sondern die Neandertaler von morgen»

Michael Schmidt-Salomon ( * 1967)
Deutscher Philosoph


Dezember 2010

«Glücklich ist, wer von sich sagen kann: Ich habe eine Träne getrocknet.»

Johann Wolfgang von Goethe


November 2010

«Will man den Lohn für seine tugendhafte Handlungen in dem Beyfalle der Leute suchen; so bauet man auf keinen sichern und festen Grund, besonders in unsern verdorbenen und dummen Zeiten. Von dem Pöbel gross geachtet werden, ist wirklich eine Schande.»

Michel de Montaigne (1533 - 1592)
Französischer Humanist und Philosoph


Oktober 2010

«Wer religiös sein will, kann es gerne sein. Ich respektiere
das Recht auf Glaubensfreiheit.
Ich würde es jedoch begrüssen, wenn die Gläubigen auch unser
Recht respektierten, ihre Dogmen nicht teilen zu wollen.»

Frank Zappa (1940 - 1993)
Amerikanischer Musiker


September 2010

«In noch keinem einzigen Fall sind die Kirchen
je die Beschützer menschlicher Freiheit gewesen.»

James Madison (1751-1836)
Vierter Präsident der USA


August 2010

Dass ich nicht ein jedes Atom von Wein
In einer Flut von Blödigkeiten büße,

Schenke mir das perlende Gold vom Rhein
Unvermischt in seiner starken Süße!

Deine Augen lass frei von Tränen sein,
Dass die lieblichen Strahlen nicht versiegen!

Weich genug droht schon der bläuliche Schein
Wie ein zartes Traumbild zu verfliegen.

Frühlingstage, Stunden der Seligkeit,
Wie sie linde in unsre Seelen rinnen! –

Und wir sollten die köstliche Neige Zeit
Mit dem Gedanken der Ewigkeit verdünnen?

Gottfried Keller (1819-1890)
Schweizer Dichter und Zürcher Staatsschreiber


Juli 2010

«Der Staat sollte keine Massnahmen treffen, die den mündigen Menschen
in seinem Recht einschränken, über seinen Tod selbst zu bestimmen.»

Hans Mühlethaler, Schweizer Schriftsteller, * 1930,
in «Evolution und Sterblichkeit»

www.hansmuehlethaler.com


Juni 2010

Abendlied

Augen, meine lieben Fensterlein,
Gebt mir schon so lange holden Schein,
Lasset freundlich Bild um Bild herein:
Einmal werdet ihr verdunkelt sein!

Fallen einst die müden Lider zu,
Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh;
Tastend streift sie ab die Wanderschuh',
Legt sich auch in ihre finstre Truh'.

Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehn
Wie zwei Sternlein, innerlich zu sehn,
Bis sie schwanken und dann auch vergehn,
Wie von eines Falters Flügelwehn.

Doch noch wandl' ich auf dem Abendfeld,
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,
Von dem goldnen Überfluss der Welt!

Gottfried Keller (1819-1890)
Schweizer Dichter und Zürcher Staatsschreiber


Mai 2010

«Abgesehen von den Forderungen, welche die Religion stellt, darf man wohl fragen: warum sollte es für einen alt gewordenen Mann, welcher die Abnahme seiner Kräfte spürt, rühmlicher sein, seine langsame Erschöpfung und Auflösung abzuwarten, als sich mit vollem Bewusstsein ein Ziel zu setzen? Die Selbsttötung ist in diesem Falle eine ganz natürliche naheliegende Handlung, welche als ein Sieg der Vernunft billigerweise Ehrfurcht erwecken sollte: und auch erweckt hat, in jenen Zeiten als die Häupter der griechischen Philosophie und die wackersten römischen Patrioten durch Selbsttötung zu sterben pflegten.

Die Sucht dagegen, sich mit ängstlicher Beratung von Ärzten und peinlichster Lebensart von Tag zu Tage fortzufristen, ohne Kraft, dem eigentlichen Lebensziel noch näher zu kommen, ist viel weniger achtbar. - Die Religionen sind reich an Ausflüchten vor der Forderung der Selbsttötung: dadurch schmeicheln sie sich bei Denen ein, welche in das Leben verliebt sind.»

Friedrich Nietzsche (1844 - 1900)

Aus: Menschliches Allzumenschliches I, KSA 2, 85, «Greis und Tod»


April 2010

„Dem Menschen ist erlaubt Thiere zu seiner Nahrung [oder zu]
seiner und der Seinigen Sicherheit zu toeden.“
„Dass gar kein Fall möglich sei, wo es erlaubt waere, Thiere
zu quaelen, versteht sich von selbst. […]
Selbst Thiere, welche der Mensch toeden darf, muss er
ihren Tod so wenig als moeglich empfinden lassen
und auf die schnellste, gelindeste, schmerzloseste Art umbringen.“

„Manche [Thiere] zieht [der Mensch] zu seiner Nahrung
nach seinem Rechte, Thiere zu seiner Nahrung zu schlachten.
Sie wissen es nicht, leben ohne Kummer und Sorge ruhig und glücklich fort,
freuen sich der bessern Wartung, ohne Ahndung, wessen Vorboth sie sei.
Sie wissen nichts von der Gefahr, und merken nicht eher das Schicksal,
welches sie bedrohet, bis der toedende Streich faellt und Füllosigkeit
vor Leiden sie schützt. Was ist dabei hartes für das Thier? –
Ein etwas früherer Tod als der natürliche.
Dagegen ist er leichter, ohne Krankheit und Vorgefül.“

Wilhelm Dietler
Mainzer Philosophieprofessor

in: «Gerechtigkeit gegen Thiere», 1787


März 2010

«Grosse Ambition, gar alt zu werden, habe ich gar nicht;
ich wünsch noch scheue den tod nicht, aber ein grosses alter,
da man andern und sich selber zur last wird,
da graust mir vor, das muss ich gestehen.
Ich fürchte, ich werde nur zu lang leben, denn ich habe
einen grössern abscheu vor ein hohes alter als vor den tod selber.»

Elisabeth Charlotte, Prinzessin von der Pfalz,
gennant Liselotte von der Pfalz (1652 - 1722)


Februar 2010

«Es gibt keinen einzig richtigen Weg, um zu sterben, und es sollte nicht länger einen Gegensatz geben zwischen Befürwortern besserer palliativer Pflege und Befürwortern einer Sterbehilfe unter Beteiligung von Ärzten. Gute palliative Pflege und das Recht, selbst eine Wahl zu treffen, um den Tod schneller herbeizuführen, schliessen sich nicht länger gegenseitig aus, wie dies auch für gute Herzmedizin einerseits und der Möglichkeit, eine Herztransplantation zu erlangen, anderseits zutrifft. Von sterbenden Patienten  ohne Rücksicht auf deren Wünsche zu verlangen, unglaubliche Leiden ertragen zu müssen, ist gefühllos und ungehörig. Wie Schmerzlinderung ist auch dies eine Sache des Mitleids»

Dr . med. Marcia Angell
Senior Lecturer an der Abteilung für Soziale Medizin der Harvard Medical School

in: «The Quality of Mercy», in den «Willits News», 11. Juli 2006


Januar 2010

«Bekannt und zum Abschreiben zu lang ist die Stelle in der Apologie des Sokrates, wo Plato diesen weisesten der Sterblichen sagen lässt, dass der Tod, selbst wenn er uns auf immer das Bewusstsein raubte, ein wundervoller Gewinn sein würde, da ein tiefer, traumloser Schlaf jedem Tage, auch des beglücktesten Lebens, vorzuziehen sei.»

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)
Deutscher Philosoph


Dezember 2009

«Die Gesundheit überwiegt alle äusseren Güter so sehr, dass wahrlich
ein gesunder Bettler glücklicher ist als ein kranker König»

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)
Deutscher Philosoph


November 2009

«Wenn Gott dazu verurteilt würde,
das Leben zu leben,
das er uns zum Geschenk gemacht hat,
würde er sich umbringen.»

Alexandre Dumas (1824 - 1895)
Französischer Schriftsteller


Oktober 2009

«Gewöhne dich daran zu glauben, dass der Tod keine Bedeutung für uns hat. Denn alles, was gut, und alles, was schlecht ist, ist Sache der Wahrnehmung. Der Verlust der Wahrnehmung aber ist der Tod. Daher macht die richtige Erkenntnis, dass der Tod keine Bedeutung für uns hat, die Vergänglichkeit des Lebens zu einer Quelle der Lust, indem sie uns keine unbegrenzte Zeit in Aussicht stellt, sondern das Verlangen nach Unsterblichkeit aufhebt. . . Das schauerlichste aller Übel, der Tod, hat also keine Bedeutung für uns, denn solange wir da sind, ist der Tod nicht da, wenn aber der Tod da ist, dann sind wir nicht da.»

Epikur (341 - ca. 270 v. Chr.)
Griechischer Philosoph


September 2009

«Ich weiß nicht, was ich noch als Gutes ansehen soll, wenn ich die Freuden des Geschmacks, die Freuden der Liebe, die Freuden des Gehörs, schließlich die Erregungen beim Anblick einer schönen Gestalt abziehe.»

Epikur (341 - ca. 270 v. Chr.)
Griechischer Philosoph


August 2009

«Was den freiwilligen Tod betrifft: Ich sehe in ihm weder eine Sünde noch eine Feigheit. Aber ich halte den Gedanken, dass dieser Ausweg uns offen steht, für eine gute Hilfe im Bestehen des Lebens und all seiner Bedrängnisse.»

Hermann Hesse (1877 - 1962)
Deutscher Schriftsteller
Nobelpreis für Literatur 1946


Juli 2009

Wer auf «verletzbare religiöse Gefühle» Rücksicht nimmt, zementiert damit nur die weltanschauliche Borniertheit, die sich hinter der Rede von den angeblich schützenswerten «religiösen Gefühlen» verbirgt.

Michael Schmidt-Salomon  ( * 1967)
Deutscher Philosoph

in: «Manifest des evolutionären Humanismus»
Aschaffenburg 2006


Juni 2009

«Das gesellschaftliche Zusammenleben kann nur in einem laizistischen Staat funktionieren. Wenn Glaubensregeln sich in die Gesetze des Staates einmischen,
ist Schluss mit der Bürgerfreiheit.»

José Luis Rodriguez Zapatero
Spanischer Ministerpräsident

in: «Der Spiegel», 9. November 2004


Mai 2009

«Ich fürchte den Tod nicht. Ich war Milliarden und Abermilliarden Jahre tot, bevor ich geboren wurde, und es hat mir nicht die geringsten Unannehmlichkeiten bereitet.»

Mark Twain


April 2009

«Wenn ich sterbe, soll mir das Leben unter Vollnarkose herausgenommen werden, als wäre es ein erkrankter Blinddarm. Aber dieses Vorrecht wird mir nicht zuteil werden, denn ich habe das Pech, dass ich als Angehöriger der Spezies Homo Sapiens zur Welt gekommen bin und nicht etwa als Hund (Canis familiaris) oder Hauskatze (Felix catus). Das gilt zumindest dann, wenn ich nicht in ein aufgeklärteres Land wie die Schweiz, die Niederlande oder den US-Staat Oregon ziehe. Warum gibt es nur so wenige aufgeklärte Regionen? Vor allem weil die Religion so starken Einfluss hat.»

Richard Dawkins ( * 1941)

in: «Der Gotteswahn», Ullstein-Verlag, 2008


März 2009

«Der Lebenslauf des Menschen besteht darin, dass er,
von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt.»

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)
Deutscher Philosoph


Februar 2009

«Die Verfassung besteht darauf, dass Menschen die Freiheit haben müssen, diese zutiefst persönliche Entscheidung für sich zu fällen, und dass sie nicht gezwungen werden, ihr Leben in einer für sie entsetzlichen Weise zu beenden, nur weil eine Mehrheit vermeint, dies sei angemessen.»

Ronald Dworkin
Amerikanischer Rechtsphilosoph

in: «Assisted Suicide.The Philosopher's Brief», 1977


Januar 2009

Siehst du den Stern im fernsten Blau,
Der zitternd fast erbleicht?
Sein Licht braucht eine Ewigkeit,
Bis es dein Aug erreicht!

Vielleicht vor tausend Jahren schon
Zu Asche stob der Stern,
Und doch sehn seinen lieblichen Schein
Wir dort noch still und fern.

Dem Wesen solchen Scheines gleicht,
Der ist und doch nicht ist,
O Lieb, dein anmutvolles Sein,
Wenn du gestorben bist!

Gottfried Keller (1819-1890)
Schweizer Dichter und Zürcher Staatsschreiber


Dezember 2008

«Das Leben in den Jahren des Alters gleicht dem fünften Akt eines Trauerspiels: Man weiß, dass ein tragische Ende nahe ist, aber man weiß noch nicht, welches es sein wird. Allerdings hat man, wenn man alt ist, nur noch den Tod vor sich; aber wenn man jung ist, hat man das Leben vor sich, und es fragt sich, welches von beiden bedenklicher sei und ob nicht, im ganzen genommen, das Leben eine Sache sei, die es besser ist, hinter sich als vor sich zu haben.»

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)
Deutscher Philosoph


November 2008

«Sterben ist kein Unglück, aber jahrelanges Leiden, ehe man es dahin bringt, zu sterben. Jahreslanges Leiden - glücklich sind die, welche schnell fertig werden: Per acquit, wie mein Väterchen sagte, und man dreht sich herum und schläft ein und alles ist bezahlt.»

Heinrich Heine


Oktober 2008

«Doktor M.  hatte zu Sartre am Tage nach dem Hirnschlag [seiner Mutter] gesagt: «Als Arzt muss ich dafür sorgen, dass Ihre Mutter so lange wie möglich lebt. Doch wäre ich ihr Sohn, würde ich ihren Tod wünschen.» Das bedeutet, falls sie diesem entgeht, dass sie beeinträchtigt und gelähmt bleiben wird. Das war ein Schicksal, das sie stets mehr gefürchtet hat als den Tod. Wegen einiger Tage des Überlebens hatte meine Mutter schreckliches Leiden riskiert. Worauf denn eigentlich stützt sich diese unbarmherzige Standesregel, welche die Wiederbelebung zu jedem Preise fordert? Unter dem Vorwand, das Leben zu respektieren, schanzen sich die Ärzte das Recht zu, menschlichen Wesen jede beliebige Folter und sämtlichen denkbaren Verfall aufzunötigen: dies nennen sie, ihre Pflicht tun. Doch weshalb stimmen sie nicht zu, den Inhalt dieses Wortes Pflicht in Frage zu stellen? Eine alte Briefschreiberin schrieb mir kürzlich: «Die Ärzte halten darauf, mich zu erhalten, obschon ich krank und gelähmt bin. Doch weshalb, Madame? Weshalb? Ich verlange nicht, dass man alle Greise töte, doch jene, die es sich wünschen, soll man doch sterben lassen. Man sollte das Recht auf den freien Tod genauso haben wie dasjenige auf freie Liebe.» Tatsächlich: Weshalb? Weshalb? Ich habe die Frage einer grossen Zahl von Ärzten gestellt, und keine der Antworten, die ich erhielt, hat mich befriedigt.»

Simone de Beauvoir

in: «Tout compte fait», Gallimard, 1972, S. 111


September 2008

«Ich wusste gar wohl dass die meisten Alten einstimmig der Meynung sind, es sey Zeit zu sterben, wenn wir bey dem Leben mehr Böses als gutes zu erwarten haben; und wir verletzten selbst die Regeln der Natur, wenn wir das Leben zu unserer Beschwerlichkeit und Marter erhalten wollten.»

Michel de Montaigne

in: Essais, I. Buch, XXXII. Hauptstück
Diogenes Zürich 1992 Bd. I S. 393


August 2008

«Natürlich hat der Mensch – das menschliche Individuum ebenso wie die Menschheit - «sich nicht selbst geschaffen»; diese Behauptung wäre in der Tat absurd. Falls aber Gott den Menschen geschaffen hat, so hat er ihm doch offenbar bewusst die Möglichkeit gegeben, sein Leben gezielt zu beenden bzw. beenden zu lassen. Woher nun weiss Lehmann, dass ebendieser Gott, der ausserdem allgütig ist, es dem Menschen unter allen Umständen untersagt, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen? Liesse sich nicht ebenso gut behaupten, der Mensch dürfe sich zur Beseitigung von Schmerzen niemals einer Operation unterziehen?»

Norbert Hoerster

(auf die Aussage von Karl Kardinal Lehmann, wenn angenommen werde, der Mensch habe sich nicht selbst geschaffen, «dann ist auch klar, dass er sich selbst nicht zu Ende bringen soll».)

in: Norbert Hoerster, «Die Frage nach Gott»,
Beck’sche Reihe, München, 2007, S. 77 f.


Juli 2008

«Oft erscheint der Tod sogar als ein Gut, ein Erwünschtes, als Freund Hein. Alles, was auf unüberwindliche Hindernisse seines Daseins oder seiner Bestrebungen gestoßen ist, was an unheilbaren Krankheiten oder an untröstlichem Grame leidet, hat zur letzten Zuflucht die Rückkehr in den Schoss der Natur, aus welchem es wie alles andere auch auf eine kurze Zeit heraufgetaucht war, verlockt durch die Hoffnung auf günstigere Bedingungen des Daseins als ihm zuteil geworden, und von wo aus ihm derselbe Weg stets offenbleibt.»

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)
Deutscher Philosoph


Juni 2008

«Der Gedanke an den Selbstmord ist ein starkes Trostmittel: mit ihm
kommt man gut über manche böse Nacht hinweg.»

Friedrich Nietzsche


Mai 2008

«Weil die Gegenwart allein die real erfüllte Zeit ist und unser ganzes wirkliches Dasein in ihr konzentriert und auf sie beschränkt ist, so sollte man sie stets einer heitern Aufnahme würdigen, jede erträgliche und von unmittelbaren Schmerzen freie Gegenwart mit Bewusstsein als solche genießen, d. h. sie nicht trüben durch verdrießliche Gesichter über die verfehlten Hoffnungen der Vergangenheit oder die Sorgen der Zukunft.»

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)
Deutscher Philosoph


April 2008

F. S.: Sie machen den Eindruck, alles mit großer Leichtigkeit anzunehmen, die Ereignisse des Lebens, den Ablauf der Zeit . . .

J. O.: Ich hatte es immer leicht, alles anzunehmen. Ich habe diesbezüglich eine eigentliche Gnade erhalten. Die Idee, alles sei gut, und der Friede mit der Welt. Und selbst den Tod, sehen Sie - wenn wir von ihm sprechen wollen -; ich würde sagen, ich denke an ihn wie an die Wiederkunft des Winters, wie man an unvermeidbare Dinge denkt. Ohne Leidenschaft und ohne Zittern. Ohne es nötig zu haben, eine Anstrengung zu machen, um mich darein zu schicken. Vielleicht wird der Augenblick, wenn er da ist, schwieriger, aber heute empfinde ich gegenüber dem Tod gewissermaßen nur eine heitere Neugierde.

Gespräch zwischen François Sureau und Jean d'Ormesson,
Mitglied der Académie française,

aus: «Garçon de quoi écrire», Paris 1989

François Sureau, ( * 1957)
Rechtsanwalt, Mitglied des Conseil d'Etat von 1981-1995

Jean d'Ormesson, ( * 1925)
ehemaliger Generalsekretär des Internationalen Rates für Philosophie und Humanwissenschaften der UNESCO, ehemaliger Direktor der Zeitung «Le Figaro», Schriftsteller


März 2008

«Im Laufe meiner ärztlichen Praxis habe ich gelernt, dass der Tod nicht immer ein Feind sein muss. Oft ist er auch die einzig wirksame Therapie, mit der erreicht wird, was die Medizin nicht zustande bringt - das Ende der Leiden.»

Christiaan Barnard (1922 - 2001)
Arzt in Südafrika, der als erster ein Herz verpflanzte

in: «Glückliches Leben - würdiger Tod», Bayreuth 1981, S. 44


Februar 2008

«Schlummert ein, ihr matten Augen
Fallet sanft und selig zu!
Welt, ich bleibe nicht mehr hier,
Hab ich doch kein Teil an dir,
das der Seele könnte taugen,
Hier muss ich das Elend bauen,
Aber dort, dort werd ich schauen
Süssen Friede, stille Ruh.»

Johann-Sebastian Bach (1685-1750)

3. Arie der Kantate «Ich habe genug»
(Bach-Werk-Verzeichnis 82a)


Januar 2008

«Evolutionäre Humanisten treten entschieden für das Selbstbestimmungsrecht des Menschen ein, das als Ultima Ratio auch das Recht auf Selbsttötung, ja sogar das Recht auf entsprechende fremde Hilfen zur Gewährleistung eines möglichst schmerzfreien, vorgezogenen Todes mit einschließt, sofern ein Weiterleben für das Individuum nichts weiter als Qual bedeuten würde. Wenn die großen Religionen den Menschen dieses Recht absprechen, so ist dies ein Akt der Gewalt, ein fundamentales Verbrechen an der Menschheit, das in der Summe möglicherweise größeres Elend noch verursachte (und auch heute noch verursacht!) als alle blutigen Glaubenskriege der Geschichte zusammengenommen!»

Michael Schmidt-Salomon  ( * 1967)
Deutscher Philosoph und Schriftsteller

in: «Manifest des evolutionären Humanismus», Alibri 2006, S. 127f.


Dezember 2007

«Als Liberale denken wir, dass Regierungen Menschen nicht dazu nötigen sollten, Lebensweisen zu unterstützen, die nicht die ihren sind. Oder wenn sie es tun sollten, dann müssen sie dies rechtfertigen, indem sie aufzeigen, dass es irgendwie im Interesse der genötigten Personen sei, dies zu tun, trotz ihres offensichtlichen Mangels an Interesse für diesen besonderen Gegenstand.»

Jan Narveson (University of Waterloo, Canada)

in: «Demokratie: Probleme, Ja - Lösungen, Nein?»,
veröffentlicht in «Aufklärung und Kritik» 2/2007, S. 91f.


November 2007

«Ich freue mich auf meinen Tod,
Ach, hätt er sich schon eingefunden.
Da entkomm ich aller Not,
Die mich noch auf der Welt gebunden.»

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

5. Arie der Kantate «Ich habe genug»
(Bach-Werk-Verzeichnis 82a)


Oktober 2007

«Wenn dem Menschen am Ende seines Lebens ein Lächeln übrig bleibt,
so ist das ein sehr anständiger Reingewinn»

Horst Wolfram Geissler (1893 - 1983)
Deutscher Schriftsteller


September 2007

«Den Nutzen des Lebens bestimmt sein Gebrauch:
Manche, die kurz lebten, haben lange gelebt»

Michel de Montaigne (1533 - 1592)
Französischer Schriftsteller und Philosoph


August 2007

«Die Klugheit eines Menschen lässt sich aus der Sorgfalt bemessen, womit er das Künftige oder das Ende bedenkt.»

Georg Christoph Lichtenberg (1742 - 1799)
Deutscher Physiker und Schriftsteller


Juli 2007

«Ein erstes Zeichen beginnender Erkenntnis ist der Wunsch zu sterben. Dieses Leben scheint unerträglich, ein anderes unerreichbar.»

Franz Kafka


Juni 2007

«Wieso sind die Ärzte der Meinung, ihre Aufgabe sei es, »Leben zu erhalten«, wie man immer wieder zu hören kriegt? Das ist einfach nicht wahr. Ärzte sind dazu da, um Kranken bei der Wiedererlangung ihrer Gesundheit zu helfen. Und in den Fällen, in denen das nicht mehr möglich ist, sind sie zu überhaupt nichts mehr da, wenn nicht für eine schmerzfreie Endphase oder einen erlösenden Tod. So sieht echte Humanität aus.»

Rudolf Krämer-Badoni (1913 - 1989)
Katholischer deutscher Schriftsteller und Publizist

aus: «Leben, lieben, sterben ohne Gott», München 1989


Mai 2007

«Weise ist der allein, der alles schon findet im Leben,
Aber dafür auch im Tod weiter nichts findet als ihn.»

Ludwig Feuerbach (1804 - 1872)
Deutscher Philosoph


April 2007

«Religionen haben Mord und Selbstmord verurteilt, haben aber - vom Menschenopfer ganz abgesehen - grausamste Verfolgungen Andersgläubiger erlaubt oder geboten.»

Fritz Bauer (1903 - 1968)
Deutscher Richter und Hessischer Generalstaatsanwalt


März 2007

«Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer. Man ist sich seines Todes nicht mehr sicher!»

Hermann Kesten (1900 - 1996)
Deutscher Schriftsteller


Februar 2007

«An einem Orte, wo das Leben nichts bietet, kann der Tod nicht besonders schwer sein.»

Johann Nepomuk Nestroy (1801 - 1862)
Österreichischer Autor und Schauspieler


Januar 2007

«Oft erscheint der Tod sogar als ein Gut, ein Erwünschtes, als Freund Hein. Alles, was auf unüberwindliche Hindernisse seines Daseins oder seiner Bestrebungen gestossen ist, was an unheilbaren Krankheiten oder an untröstlichem Grame leidet, hat zur letzten Zuflucht die Rückkehr in den Schoss der Natur, aus welchem es wie alles andere auch auf eine kurze Zeit heraufgetaucht war, verlockt durch die Hoffnung auf günstigere Bgedingungen des Daseins als ihm zuteil geworden, und von wo aus ihm derselbe Weg stets offenbleibt.»

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)
Deutscher Philosoph

aus: Arthur Schopenhauer: «Philosophie für den Alltag»,
ausgewählt von Hans Joachim Hoof, Manuskriptum, 2. A. 1999, S. 378)


Dezember 2006

Man schreibt wider den Selbstmord mit Gründen die unsere Vernunft in dem kritischen Augenblick bewegen sollen. Dieses ist aber alles vergeblich, so lange man sich diese Gründe nicht selbst gefunden hat, das heisst, so bald sie nicht die Früchte, das Resultat unserer ganzen Erkenntnis und unsres erworbenen Wesens sind. Also alles ruft uns zu, bemühe dich täglich um Wahrheit, lerne die Welt kennen, befleissige dich des Umgangs mit rechtschaffnen Menschen, so wirst du jederzeit handeln wie dirs am zuträglichsten ist, und findest du dereinst den Selbstmord für zuträglich, das heisst sind alle deine Gründe nicht hinreichend dich abzuhalten, so ist er dir auch – erlaubt.

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)


November 2006

Der Tod ist eine unveränderliche Grösse, allein der Schmerz ist eine veränderliche die unendlich wachsen kann. Dieses ist ein Satz, den die Verteidiger der Folter zugeben müssen, denn sonst foltern sie vergeblich, allein in vielen wird der Schmerz ein Grösstes und kleiner als der Tod.

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)


Oktober 2006

Abgesehen von den Forderungen, welche die Religion stellt, darf man wohl fragen: warum sollte es für einen alt gewordenen Mann, welcher die Abnahme seiner Kräfte spürt, rühmlicher sein, seine langsame Erschöpfung und Auflösung abzuwarten, als sich mit vollem Bewusstsein ein Ziel zu setzen? Die Selbsttötung ist in diesem Falle eine ganz natürliche naheliegende Handlung, welche als ein Sieg der Vernunft billigerweise Ehrfurcht erwecken sollte: und auch erweckt hat, in jenen Zeiten als die Häupter der griechischen Philosophie und die wackersten römischen Patrioten durch Selbsttötung zu sterben pflegten. Die Sucht dagegen, sich mit ängstlicher Beratung von Ärzten und peinlichster Lebensart von Tag zu Tage fortzufristen, ohne Kraft, dem eigentlichen Lebensziel noch näher zu kommen, ist viel weniger achtbar – Die Religionen sind reich an Ausflüchten vor der Forderung der Selbsttötung: dadurch schmeicheln sie sich bei Denen ein, welche in das Leben verliebt sind.

Fiedrich Nietzsche (1844 – 1900)

aus: «Menschliches Allzumenschliches I», KSA 2, 85, «Greis und Tod»


September 2006

«Wo die Moral auf die Theologie, das Recht auf göttliche Einsetzung gegründet wird, da kann man die unmoralischsten, unrechtlichsten, schändlichsten Dinge rechtfertigen und begründen»

Ludwig Feuerbach (1804 - 1872)
Deutscher Philosoph

aus: «Das Wesen des Christentums», Gesammelte Werke Band 5, hg.
Von Werner Schuffenhauer, Akademie-Verlag Berlin, 3. A., 2006, S. 449


August 2006

«Willensbeschlüsse, die sich auf die Zukunft beziehen, sind blosse Überlegungen der Vernunft über das, was man dereinst wollen wird, nicht eigentliche Willensakte: Nur die Ausführung stempelt den Entschluss, der bis dahin immer nur noch veränderlicher Vorsatz ist und nur in der Vernunft, in abstracto, existiert.»

Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)
Deutscher Philosoph

aus: Arthur Schopenhauer, «Philosophie für den Alltag»,
ausgewählt von Hans Joachim Hoof, Manuskriptum, 2. A. 1999, S. 451


Juli 2006

«Der Selbstmörder aus physischen und psychischen Leiden ist kein Selbstmörder, er ist nur ein an Krankheit Gestorbner. Ich verstehe nämlich darunter einen solchen, welcher durch geistiges oder körperliches unheilbares Leiden allmählich in jene Seelenstimmung verfällt, die man mit dem Namen der Melancholie bezeichnet, und so zum Selbstmord getrieben wird, keineswegs aber den, welcher, um einem Leiden zu entgehen, sich bei freiem Sinn und Verstand selbst tötet. Der erstere ist krank, der andre schwach. Der erstere ist an seiner Krankheit gestorben, denn ob dieses Leiden ihm allmählich das Leben raubt oder ihn durch den störenden Einfluss auf sein Gemüt zum Selbstmord bringt, ist gleichgültig. Die Form ist nur verschieden, die Wirkung ist die nämliche: sie ist der Tod, seine Ursache lag in einer Krankheit, die eine Neigung zum Selbstmorde zur Folge hatte, was ich aus Beispielen zur Genüge beweisen könnte. So wenig man nun von einem an der Auszehrung Gestorbnen sagen kann: der Narr oder der Sünder, warum ist er gestorben? Ebensowenig darf man einem Selbstmörder aus dieser Ursache wegen seiner Tat einen Vorwurf machen wollen; er ist, wie schon gesagt, nicht als Selbstmörder zu betrachten.

Dasselbe lässt sich nun, und zwar in noch viel höherem Grade, auf den anwenden, welcher sich aus psychischen Leiden den Tod gibt. Psychische Leiden sind, so wie physische Krankheit des Körpers, Krankheit des Geistes; letztere kann, wenn sie einmal feste Wurzeln geschlagen hat, noch viel weniger gehoben werden als erstere. Wen also eine solche geistige Krankheit zum Tode treibt, der ist ebensowenig ein Selbstmörder, er ist nur ein an geistiger Krankheit Gestorbner. Das geistige Leiden selbst vermag den Körper nicht unmittelbar zu töten, es tut dies also mittelbar; dies ist der ganze Unterschied zwischen dem, welcher am hitzigen Fieber oder in einem Anfall von Wahnsinn stirbt.»

Georg Büchner (1813 - 1837)
Deutscher Dichter

aus einer Rezension eines Aufsatzes
eines Mitschülers über den Suizid
Privatdozent für vergleichende Anatomie
an der Universität Zürich
Dort im Alter von 24 Jahren an Typhus verstorben


Juni 2006

«Ist aber das Leben nur noch ein Übel, so ist der Tod kein Übel, sondern ein Gut, ja, ein Recht - das heilige Naturrecht des Übelleidenden auf Erlösung vom Übel.»

Ludwig Feuerbach, (1804 - 1872)
Deutscher Philosoph

aus: Gesammelte Werke, hrsg. von Werner Schuffenhauer,
Kleinere Schriften IV S. 56 ff. (GW Band 11)


Mai 2006

«Wie beim Theater kommt es auch im Leben nicht darauf an, wie lange es dauert, sondern wie gut gespielt wird»

Thukydides (ca. 160 bis 440 v. Chr.)
Griechischer Geschichtsschreiber


April 2006

«Grundlage und durchgehendes Motiv der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) ist der Respekt vor der Würde des Menschen und vor seiner Freiheit. Ohne in irgendeiner Weise die Unantastbarkeit des Lebens in Frage zu stellen, ist der Gerichtshof der Meinung, dass die Frage der Lebensqualität unter dem Gesichtspunkt des Artikels 8 EMRK bedeutsam ist. In einem Zeitalter zwiespältiger medizinischer Fortschritte, verbunden mit der Verlängerung der Lebenserwartung, machen sich viele Menschen Sorgen, dass sie gezwungen werden könnten, in hohem Alter oder in einem Zustand fortgeschrittenen körperlichen oder geistigen Verfalls weiterzuleben, der ihren Grundüberzeugungen und Vorstellungen von eigener persönlicher Identität widerspricht.»

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg
in seinem Urteil vom 29. April 2002 in der Sache
Diane Pretty gegen Grossbritannien, Abschnitt 65


März 2006

Die Überalterung unserer Bevölkerung und die deswegen zunehmende Zahl von Pflegebedürftigen und Schwerkranken geht einher mit den vielfältigen Möglichkeiten der modernen Medizin, die den Tod oft genug aufhalten oder hinauszögern kann. Politik und Gesellschaft sind aufgefordert, sich den daraus ergebenden Konflikten ethischer und rechtlicher Art anzunehmen und zu versuchen, sie angemessen zu bewältigen. Da stehen wir leider noch am Anfang.

Ernst Gottfried Mahrenholz
Ehemaliger Vizepräsident des deutschen Bundesverfassungsgerichts

aus seinem Geleitwort zum Buch von Ernst Ankermann
«Sterben zulassen - Selbstbestimmung und ärztliche Hilfe am Ende des Lebens»
reinhardt-Verlag, München/Basel, 2004


Februar 2006

Es geht um die Freiheit, das Ende des eigenen Lebens, aus welchen Gründen auch immer, selbst zu bestimmen. Die Kirche, die Millionen von hingerichteten Häretikern und von ermordeten sogenannten Hexen auf ihrem Konto hat und für zweitausend Jahre jüdisches Leiden verantwortlich ist, ist bei der Erörterung dieses Problems die ungeeignetste Instanz. Es war nie der Wille Gottes, Häretiker odeer angebliche Hexen zu verbrennen. Es ist also gut verständlich, dass es Menschen gibt, die dem Christentum, das mit dem Rabbi Jesus nichts zu tun hat, nichts Göttliches zutrauen. Aber auch auf diese Menschen dehnt die Kirche mit Hilfe des Staates ihre immer noch grosse Macht aus.

Rudolf Krämer-Badoni (1913 - 1989)
Katholischer deutscher Schriftsteller und Publizist

aus: «Leben, lieben, sterben ohne Gott», München 1989


Januar 2006

«Wäre sich der Mensch gewiss, in diesem Leben unsterblich zu sein, so handelte er zweifellos wie ein Narr, wollte er, um nicht länger schwere Leiden aushalten zu müssen, durch einen Sturz ins Nichts Abhilfe schaffen und beraubte sich aus freien Stücken des grossen Privilegs der Unsterblichkeit. Da er jedoch weiss, dass er früher oder später mit seinem Leben einer von vielen ihn unweigerlich befallenden Krankheiten wird erliegen müssen, braucht er meines Erachtens, nur weil er sicher ist, sich selbst später nicht zur begangenen Tat beglückwünschen zu können, seine Qualen nicht durch freiwilliges Hinauszögern der Selbstzerstörung zu verlängern.»

Giacomo Casanova, Chevalier de Seingalt ((1725-1798)

aus: «Über den Selbstmord und die Philosophen»
Edition Pandora, Campus Verlag,
Frankfurt/New York, 1994


Dezember 2005

«Wie kein Mensch einen anderen zum Sterben drängen, nötigen oder zwingen darf, so auch keiner zum Weiterleben. Und gibt es denn eine persönlichere Entscheidung als die des Todkranken über die Beendigung oder Nicht-Beendigung seines Leidens? Wenn das ganze Leben von Gott in die Veranwortung eines Menschen gestellt ist, dann gilt diese Verantwortung auch für die letzte Phase seines Lebens, ja, sie gilt erst recht für den eigentlichen Ernstfalls eines Lebens: wenn es ans Sterben geht. Warum sollte gerade diese letzte Phase des Lebens von der Verantwortung ausgenommen sein?»

Hans Küng  ( * 19. März 1928)
Schweizer Theologe
Konzilstheologe am 2. vatikanischen Konzil
Professor für ökumenische Theologie in Tübingen

das Zitat stammt aus dem Werk von Hans Küng und Walter Jens,
«Menschenwürdig sterben», Piper, 1995


November 2005

«Das Leben ist mir zur Last. Welches ist das metaphysische Wesen, das mir verbietet, mich zu töten? Es ist die Natur!

Welches ist das andere Wesen, das mir befiehlt, mich der Bürde des Lebens zu entledigen, dessen Freuden ich nur noch schwach, dessen Leider aber ich umso starker empfinde? Es ist die Vernunft!

Die Vernunft ist das Wesen, das mich Gott ähnlich macht, das den Instinkt unter seinem Fuss zertritt und das mich lehrt, einen festen Entschluss zu fassen, nachdem ich alle Gründe wohl erwogen habe. Es zeigt mir, dass ich nur Mensch bin, wenn ich der Natur Schweigen gebiete, sobald sie sich einer Handlung widersetzt, die allein alle meine Leiden heilen kann. Es hat mich überzeugt, dass der freie Wille, mich zu töten, ein Vorrecht ist, das Gott mir verliehen hat, um mich zu lehren, dass ich allen Tieren überlegen bin, die er auf Erden geschaffen hat.»

Giacomo Casanova, Chevalier de Seingalt (1725-1798)

aus: Giacomo Casanova, «Über den Selbstmord und die Philosophen»
Edition Pandora Band 21, herausgegeben von Gennaro Ghirardelli
Campus Verlag, Frankfurt/New York, 1994, ISBN 3-593-35032-7, Seite 175


Oktober 2005

«Gerade weil ich davon überzeugt bin, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, ist mir nicht so sehr an einer endlosen Verlängerung meines Lebens gelegen - schon gar nicht unter nicht mehr menschenwürdigen Bedingungen. Gerade weil ich davon überzeugt bin, dass mir ein anderes, neues Leben bestimmt ist, sehe ich mich als Christ von Gott selber in die Freiheit versetzt, über mein Sterben, über Art und Zeitpunkt meines Todes 
- soweit mir dies geschenkt wird - mitzubestimmen.»

Hans Küng ( * 19. März 1928)
Schweizer Theologe
Konzilstheologe am 2. vatikanischen Konzil
Professor für ökumenische Theologie in Tübingen.

das Zitat stammt aus dem Werk von Hans Küng und Walter Jens,
«Menschenwürdig sterben», Piper, 1995


September 2005

«Ich weiss nicht, wie ich mich im gegebenen Augenblick entscheiden werde, wenn ich die Wahl dazu hätte. Doch das ist nicht von Bedeutung. Wer sterben wird, wird sehen. Das Wesentliche ist zu wissen, dass ich nicht ohne Beistand und ohne Hilfe an mein Sterbebett gefesselt sein werde, dass es mir möglich sein wird, dem zu entgehen. Dass ich noch immer meine Hinfälligkeit mit der Absage an mein Leben vertauschen könnte, ohne dafür mit einer Kugel im Kopf, einer Erhängung oder einem Sprung ins Leere – den üblichen Suizidmethoden - bezahlen zu müssen. Anders gesagt: Dass ich sowohl für den Tod als auch für das Leben über Ressourcen der Medizin werde verfügen können. Denn das Verbot gegenüber dem Arzt, den Tod zu vermitteln, bedeutet auch, und es besteht Anlass, dies ins Gedächtnis zu rufen, das dem Kranken gegenüber erlassene Verbot, auf sein Verlangen hin einen medizinisch begleiteten sanften Tod zu erlangen.»

François de Closet

in: «La Dernière Liberté», Fayard Paris 2001

 

 

 

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