Statuten

Statuten

Art. 1  Name und Sitz
1 Unter dem Namen «DIGNITAS – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben» besteht mit Sitz in Maur ein idealer Verein im Sinne von Art. 60 ff.ZGB.

2 Der Verein ist konfessionell und politisch neutral.

 

Art. 2  Zweck
1 Der Verein bezweckt,

im Bewusstsein, dass

– der Suizid die letzte Freiheit des Menschen darstellt;

– es dringend erforderlich ist, nicht nur die Anzahl der Suizide, sondern vor allem die ungleich viel höhere Anzahl der Suizidversuche zu senken;

– es zur entscheidenden Verringerung der Suizidversuche unumgänglich ist, eine ehrliche, umfassende und ergebnisoffene Beratungsmöglichkeit anzubieten;

– die meisten bislang bestehenden Einrichtungen, welche sich der Suizid-prävention widmen, den Suizid grundsätzlich ablehnen, wodurch sie zu derartigem Austausch im Vornherein als ungeeignet betrachtet werden können;

– die Herbeiführung des eigenen Lebensendes ohne Fachwissen in bis zu 49 von 50 Fällen scheitert; dies oft mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen und mit hohen Risiken, auch für Andere, woraus sich viel Leid und eine erhebliche Belastung der Gemeinschaft ergibt;

– der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte festgestellt hat, zum Recht auf Selbstbestimmung, welches durch Art. 8 der EMRK geschützt ist, auch das Recht gehört, selber darüber entscheiden zu dürfen, wann und wie jemand sein Leben beendet;

– diese Freiheit zufolge teilweise jahrhundertealter weltanschaulicher Vorurteile bislang nur in unvollkommener Weise besteht und deshalb allgemeiner Durchsetzung noch harrt;

– die Inanspruchnahme dieses Rechts reiflicher Überlegung, gedanklichen Austausches mit Anderen sowie auf Erfahrung beruhender Hilfe bedarf;

– in vielen Ländern eine überwiegende Mehrheit der Bevölkerung nach einer vernünftigen Sterbehilfe verlangt, dieser jedoch eine noch meist aus dem 19. Jahrhundert stammende Gesetzgebung entgegensteht, welche aufgrund zahlreicher repräsentativer Meinungsumfragen nicht mehr als ausreichend demokratisch legitimiert erscheint;

– Patientenrechte, insbesondere am Lebensende, nicht immer respektiert werden und deshalb diese Rechte bewusst gemacht, wahrgenommen und durchgesetzt werden müssen

seinen Destinatär-Mitgliedern ein menschenwürdiges Leben wie auch ein menschen- würdiges Sterben zu sichern, auch weiteren Personen bei der Durchsetzung dieses Menschenrechts behilflich zu sein und für dessen weltweite Verwirklichung zu kämpfen.

2 Der Verein verfolgt diesen Zweck, indem er:

a) seinen Destinatär-Mitgliedern überall dort im Rahmen seiner Möglichkeiten durch Rat und Tat dem Einzelfall angepasste Hilfe leistet, wo deren Anspruch auf Beachtung ihrer Menschenwürde, insbesondere ihrer Menschenrechte und Grundfreiheiten, im Leben und im Sterben als bedroht betrachtet werden muss; und

b) die Interessen seiner Destinatär-Mitglieder bezüglich der Durchsetzung ihres Selbst- bestimmungsrechts gegenüber der Öffentlichkeit sowie Behörden im In- und Ausland vertritt.

3 Im Hinblick auf die Phase ihres Ablebens leistet er seinen Destinatär-Mitgliedern insbesondere die folgenden Dienste:

a) Er verschafft ihnen eine für die Dauer ihrer Mitgliedschaft rechtlich wirksame Patientenverfügung, welche von Ärzten und Krankenhäusern beachtet werden muss und zu deren Durchsetzung der Verein seinen Destinatär-Mitgliedern, wo notwendig, direkte Hilfe durch einen Rechtsanwalt zukommen lässt; und

b) er verschafft ihnen bei einem frei gewählten Tod eine menschenwürdige Freitodbe- gleitung durch geschultes Personal, wenn auf Verlangen des Destinatär-Mitglieds auf diese Weise einem unerträglich gewordenen Leiden und einer sinnlosen Lebensver- längerung ein Ende gesetzt werden soll.

4 Der Verein kann zu diesen Zwecken auch andere Organisationen gründen oder unterstützen, die ähnliche Ziele anstreben.

5 Der Verein verfolgt selber weder Erwerbs- noch Selbsthilfezwecke.

 

Art. 3  Mitgliedschaft
1 Die Mitgliedschaft zerfällt in Aktivmitglieder, Kuratoriumsmitglieder und Destinatär-Mitglieder. Über die Aufnahme von Mitgliedern aller Kategorien entscheidet der Generalsekretär definitiv.

2 Er kann die Aufnahme ohne Angabe von Gründen ablehnen.

3 Mitglieder, welche die Interessen des Vereins beeinträchtigt haben, können durch Beschluss des Generalsekretärs ausgeschlossen werden; sein Entscheid ist endgültig.

 

Art. 4  Rechte und Pflichten der Mitglieder
1 Aktivmitgliedern kommen alle Mitgliedschaftsrechte im Sinne der gesetzlichen Be- stimmungen zu. Sie sind verpflichtet, die Generalversammlung zu besuchen sowie den von der Generalversammlung zu beschliessenden Mitgliederbeitrag für Aktivmitglieder zu entrichten.

2 Alle übrigen Mitglieder geniessen kein Stimmrecht in der Generalversammlung. Sie sind zur Entrichtung der von der Generalversammlung festgelegten Beiträge ihrer Mitgliedschaftskategorie verpflichtet.

3 Alle Mitglieder haben Anspruch auf Zusendung der Veröffentlichungen des Vereins.

4 Kuratoriumsmitglieder stehen dem Verein dadurch zur Verfügung, dass sie ihm gestatten, unter Hinweis auf ihre Kuratoriumsmitgliedschaft für den Verein und seine Ziele zu werben. Sie beraten den Generalsekretär im Zusammenhang mit der Patientenverfügung und der Sterbehilfe und stehen den Sterbehelfern unterstützend zur Seite.

5 Sterbehelfer dienen dem Verein und seinen Destinatär-Mitgliedern, indem sie diesen bei der Abklärung eines ernsten Wunsches nach Sterbebegleitung vorerst als Gesprächspartner, als Mittler zwischen Destinatär-Mitglied und seiner Umgebung (Hausarzt, Angehörige) sowie als Sterbebegleiter bei der Durchführung der Begleitung zur Verfügung stehen.

6 Destinatär-Mitglieder entscheiden jährlich neu über ihre Mitgliedschaft durch Zahlung des Beitrags. Sie haben Anspruch auf eine individuelle Patientenverfügung, in welcher verbindliche Anweisungen an Ärzte und Krankenhauspersonal enthalten sind für den Fall, dass das Destinatär-Mitglied in seinen elementaren Lebensfunktionen dermassen schwer beeinträchtigt ist, dass nach menschlichem Ermessen eine  Besserung nicht mehr erwartet werden kann und der Zustand dieser Person einen nahen Tod vermuten lässt. Sie haben ausserdem Anspruch auf Sterbebegleitung durch Sterbebegleiter des Vereins, sofern dadurch sinnloses Leiden oder unzumutbares Weiterleben durch einen menschenwürdigen Freitod beendet werden soll.

7 Eine persönliche Haftung der Mitglieder für Verbindlichkeiten des Vereins ist ausgeschlossen.

 

Art. 5 Organe
1 Oberstes Organ des Vereins ist die Generalversammlung der Aktivmitglieder.

2 Leitendes Organ ist der Generalsekretär.

3 Kontrollierendes Organ ist die Kontrollstelle. Sie muss nicht Mitglied des Vereins
sein. Ihre Aufgabe kann einer juristischen Person übertragen werden.

 

Art. 6  Generalversammlung
Die Generalversammlung der Aktivmitglieder tritt jährlich mindestens einmal zusammen. Sie wählt den Generalsekretär und die Kontrollstelle, beschliesst über Budget, Ge- schäftsführung und Rechnung und setzt die Mitgliederbeiträge für alle Kategorien fest.

 

Art. 7  Generalsekretär
Der Generalsekretär verfügt über alle Befugnisse, die nicht anderen Organen übertragen worden sind. Er vertritt den Verein nach aussen.

 

Art. 8  Kontrollstelle
Die Kontrollstelle prüft die Rechnung und stellt über deren Genehmigung Antrag an die Generalversammlung.

 

Art. 9  Mittel
1 Die Mittel des Vereins bestehen aus Beiträgen der Mitglieder, Legaten und Spenden Dritter.

2 Grundsätzlich bestimmen die Mitglieder der verschiedenen Kategorien die Höhe ihrer jährlichen Mitgliederbeiträge selbst, wobei sie Rücksicht auf ihre persönlichen Ver- hältnisse nehmen; die von der Generalversammlung festgelegten Beiträge sind somit Mindestbeiträge für die Anerkennung einer Mitgliedschaft im Verein.

3 Die Eintrittsgebühr und die jährlichen Mitgliederbeiträge sind von der Generalver- sammlung vom 20. Dezember 2002 wie folgt festgesetzt worden:
- Eintrittsgebühr CHF 200.-
- Aktivmitglieder CHF 200.-;
- Kuratoriumsmitglieder CHF 500.-;
- Destinatär-Mitglieder CHF 80.-

4 Mitglieder, die nach dem 30. September eines Kalenderjahres beitreten, bezahlen beim Eintritt lediglich die Eintrittsgebühr; von der Jahresgebühr des laufenden Jahres sind sie befreit.

5 Mitglieder, die eine Freitod-Begleitung vorbereiten lassen, bezahlen einen zusätzlichen Mitgliederbeitrag von CHF 3'500.–; Mitglieder, die eine Freitodbegleitung durchführen lassen, bezahlen einen zusätzlichen Mitgliederbeitrag von CHF 2'500.–; übertragen sie die Abwicklung der erforderlichen Formalitäten mit Bestattungs- und Zivilstandsämtern DIGNITAS, bezahlen sie einen weiteren zusätzlichen Mitgliederbeitrag von CHF 1'000.–.

6 Mitglieder, die in sehr bescheidenen Verhältnissen leben, können auf begründeten Antrag vom Generalsekretär von der Verpflichtung zur Zahlung von Eintrittsgebühr und/oder Jahresbeitrag ganz oder teilweise befreit werden. Unter denselben Bedingungen kann auch eine Befreiung von der Zahlung von zusätzlichen Mitgliederbeiträgen erfolgen.

 

Art. 10  Überschüsse

Überschüsse in seiner Rechnung investiert der Verein in den Ausbau seiner Dienst- leistungen, insbesondere durch Ausbau von Massnahmen zur Verhinderung von risiko- reichen Suizidversuchen und zur Verminderung der Anzahl der Suizide.

 

Art. 11  Statutenrevision

Diese Statuten können jederzeit revidiert werden. Zur Abänderung der Artikel 2, 3, 4 und 9 bedarf es der Zweidrittelsmehrheit der an der Generalversammlung anwesenden stimmberechtigten Aktivmitglieder.

 

Art. 12  Zweckbindung der Mittel bei Auflösung

Im Falle der Auflösung des Vereins sind die verbleibenden Mittel einer Institution mit gleicher oder ähnlicher Zwecksetzung zuzuwenden. Ein Rückfall von Vereinsmitteln an die Vereinsmitglieder ist ausgeschlossen.

 

 

Zürich, 16. Mai 1998 / 20. Dezember 2002 / 14. Dezember 2004 / 31. Mai 2007 / 24. Oktober 2007 / 3. Juni 2011 / 5. Dezember 2012 / 24. Juni 2015

 

Die Statuten als pdf-Dokument

es dringend erforderlich ist, nicht nur die Anzahl der Suizide, sondern vor allem die ungleich viel höhere Anzahl der Suizidversuche zu sen-ken;
 
 

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